Fanny Liesel Silber


Kurzbiografie

  • geboren am 16. April 1922 in Mainz
  • Flucht 1939 nach Frankreich
  • interniert in Angers
  • 1942 deportiert nach Auschwitz und im Alter von 20 Jahren ermordet


Liesel Fanny Silber kam als Tochter von Isaak Silber (geboren am 10. August 1889 in Straßburg) und Bertha Silber, geborene Koch (geboren am 11. Oktober 1886 in Mainz), auf die Welt.

Isaak Silber, gelernter Schneider und Kaufmann, war seit 1921 in Mainz ansässig und betrieb mit seiner Frau das Berufsbekleidungsgeschäft Koch in der Seilergasse 13. Er hatte als Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg gekämpft und war mehrfach ausgezeichnet worden.

Seine Tochter Liesel besuchte von 1928 bis 1932 die Bondi-Schule und danach bis 1934 die Höhere Mädchenschule (das heutige Frauenlob-Gymnasium). Mitte der 1930er Jahre absolvierte Liesel eine Lehre als Damenschneiderin.

Liesels Familie erlebte hautnah den vom NS-Staat initiierten April-Boykott des Jahres 1933 und spürte dessen Folgen. Die vom Staat gesteuerte Diskriminierung und Ausgrenzung von Jüdinnen*Juden wurde systematisch weiter betrieben und führte auch in Mainz zu dem vorläufigen Höhepunkt, zum Novemberpogrom im Jahr 1938. Isaak und Bertha Silber sahen ihr Geschäft und dessen ganzen Bestand zerstört. Sie sahen keinen anderen Ausweg, als Ende 1939 Deutschland fluchtartig zu verlassen. Liesel selbst floh als erste der Familie. Sie suchte Zuflucht bei einem Vetter ihres Vaters in Metz. Dennoch sollte es ihr nicht mehr gelingen, Frankreich rechtzeitig zu verlassen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Besetzung eines Großteils Frankreichs durch deutsche Truppen, konnte sie auch in dem Nachbarland, das für Liesel eigentlich Rettung vor Verfolgung hätte sein sollen, keine Sicherheit mehr finden.

Als ihr Geburtsland ihr die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen hatte, weil sie Jüdin war, und als sie das Deutsche Reich verlassen hatte, wurde die junge staatenlose Deutsche in dem französischen Sammellager Angers interniert. Liesel wurde am 20. Juli 1942 mit dem Zug von Angers aus nach Auschwitz deportiert und wenige Tage nach ihrer Ankunft in dem Vernichtungslager ermordet.


Kennkarte von Fanny Lieselotte Silber
(© Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)

Text: Reinhard Frenzel

Redaktionelle Bearbeitung: HdE




Der Stolperstein für Fanny Liesel Silber wurde am 13. März 2013 in der Seilergasse 13 verlegt.

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