Familie Fraenkel


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Oscar Fraenkel

  • Geboren im Jahr 1893
  • Ermordet in Piaksi, deportiert 1942

Pauline Fraenkel, geb.Oppenheimer

  • Geboren im Jahr 1898
  • Ermordet in Piaski, deportiert 1942

Gertrude Babette Fraenkel

  • Geboren im Jahr 1923
  • Ermordet in Ausschwitz, deportiert 1942

Eva Fraenkel

  • Geboren im Jahr 1925
  • Gestorben im Jahr 2016


Kindertransporte

Im Zuge des Novemberpogroms von 1938 wuchs die Empörung einiger internationaler Staaten gegenüber dem Verhalten des nationalsozialistischen Deutschlands und der Behandlung von Jüdinnen*Juden. Das britische Parlament initiierte ein Programm zur Rettung von Kindern, dem sich Frankreich, Belgien, Schweiz und die Niederlande anschlossen und das zum Ziel hatte, die Kinder jüdischer Familien aus Deutschland in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt strebten die Nationalsozialisten an, möglichst viele Jüdinnen*Juden aus Deutschland zu vertreiben. Aus diesem Grund wurden auch die Kindertransporte gebilligt. Nicht alle Kinder, die mit den Transporten aus Deutschland fliehen konnten, überlebten den Holocaust. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überfielen und besetzten die Nationalsozialist*innen einige Länder wie Frankreich, Belgien und die Niederlande, die sich der Rettungsaktion der Kindertransporte angeschlossen hatten und die meisten sich dort befindenden Jüdinnen*Juden kamen im Holocaust ums Leben. Auch die beiden Töchter der Familie Fraenkel, Gertrude Babette und Eva, wurden nach dem Novemberpogrom 1938 mit einem Kindertransport nach Belgien geschickt.

Die Familie Fraenkel lebte bereits seit mehreren Generationen in Mainz und Umgebung und war in der Gegend eine bekannte und geachtete jüdische Familie. Oscar Fraenkel, der Sohn von Sophie Fraenkel, wurde im Jahr 1893 geboren. Er war Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges und wurde hierfür ausgezeichnet. Er heiratete Pauline Oppenheimer und das Paar wohnte in der Steingasse 20 in Mainz. Zusammen bekamen sie zwei Töchter, die 1923 geborene Gertrude Babette und die 1925 geborene Eva. Oscar Fraenkel arbeitete als Buchhalter im von seiner Mutter betriebenen Familiengeschäft in der Steingasse 20; einem Unternehmen, das sich auf den Verkauf von koscheren Lebensmitteln spezialisiert hatte. Pauline Fraenkel war im Haushalt tätig und half zudem gelegentlich im Familiengeschäft aus. Vor Ihrer Zeit als Hausfrau und Mutter war sie Sängerin und Pianistin gewesen. Das Geschäft in der Steingasse wurde im Zuge der Pogromnacht geplündert und zerstört. Das Ehepaar Fraenkel beschloss nach der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, ihre beiden Töchter Gertrude Babette und Eva aus Deutschland in Sicherheit zu bringen. Mit einem Kindertransport wurden die beiden Mädchen nach Belgien geschickt. Ihre Eltern versuchten für sie Visa für eine Emigration in die Vereinigten Staaten zu organisieren, jedoch blieben diese Bemühungen erfolglos. Im Jahr 1942 wurde Gertrude Babette von Belgien aus deportiert, zuvor war sie in Mechelen interniert gewesen. Ihre Schwester Eva wurde nicht deportiert. Sie war an Tuberkulose erkrankt und hielt sich zu diesem Zeitpunkt daher in einem katholischen Sanatorium in Belgien auf. Die für sie Verantwortlichen des Sanatoriums retteten ihr das Leben, indem sie ihre Heilung herbeiführten und sie bis zum Ende des Krieges versteckten.

Nach Kriegsende reiste Eva Fraenkel nach Australien und lernte dort den Slowaken Alexsander Berkovic kennen, der ebenfalls den Holocaust überlebt hatte. Sie heirateten und bekamen zwei Söhne.

Evas Eltern waren jedoch, ebenso wie ihre Schwester Gertrude Babette, dem NS-Regime zum Opfer gefallen. Oscar und Pauline Fraenkel wurden im Jahr 1942 deportiert und in Piaski ermordet. Gertrude Babette wurde nach ihrer Internierung in Mechelen in Ausschwitz ermordet.


Foto: HdE


Verfasser: Carlo Breyer; nach Recherchen von Garry Berkovic

Redaktionelle Bearbeitung: HdE


Literaturhinweise:

Brüchert, Hedwig: Kindertransporte – die Rettung jüdischer Kinder ins Ausland nach den Pogromen von November 1938, Nierstein 2014.


Foto: HdE

Die Stolpersteine wurden am 06. März 2017 in der Klarastraße 17 verlegt.

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