Familie Königsdorf


Max Königsdorf

Bild 1 von 1

(© Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)


Max Königsdorf

  • geboren am 4. Februar 1883 in Mainz
  • deportiert am 25. März 1942 nach Piaski

Klara Königsdorf, geb. Steinam

  • geboren am 4. Oktober 1889 in Würzburg
  • gestorben am 27. November 1938 in Mainz durch Suizid

Max Königsdorf stammte aus einer Mainzer Kaufmannsfamilie, der von Bernhard Königsdorf (geboren 1855 in Tarnow, Galizien), und Franziska Neuhäuser (geboren 1854 in Monzernheim). Der Vater hatte zuletzt, vor seinem frühen Tod mit 30 Jahren, ein Herrenkleidergeschäft in der Stadthausstraße 2 betrieben. Max, geboren 1883, war das älteste der drei in Mainz geborenen Kinder aus dieser Ehe. Eugenie Pauline (Paula), geboren 1884, und Bernhard Königsdorf, geboren 1885, waren ihm nachgefolgt.

Nach 1918 heiratete Max Königsdorf Klara Steinam, geboren 1889 in Würzburg, die in Würzburg vermutlich zusammen mit ihrem Bruder das Familiengeschäft „I. Steinam” (Herrenbekleidung) geführt hatte. Privat wohnten Max und Klara anfangs am Bahnhofsplatz 4, später in der Raimundistraße 3. Max war als Fabrikant Inhaber einer Herrenkleiderfabrik in der Bauhofstraße 5.

Die Verfolgung und Ausgrenzung von jüdischen Menschen zeigte sich in der Pogromnacht am 9. und 10. November in bis dahin ungeahnter Härte. Hierbei wurden jüdische Wohnungen und Geschäfte geplündert und zerstört und Synagogen niedergebrannt. Klara nahm sich möglicherweise unter dem Eindruck des Mainzer Novemberpogroms am 27. November 1938 das Leben. Begraben wurde sie auf dem Neuen Jüdischen Friedhof.

Bald nach 1939/40 wurde Max Königsdorf selbst zwangsweise in ein sogenanntes ,Judenhaus‘ in der Schusterstraße 47 verwiesen. Dort hatte er sich eine Küche mit der vierköpfigen Familie von Hans und Lieselotte Scheuer zu teilen. Ihnen hatte das Haus Schusterstraße 47–49 ursprünglich gehört, ebenso die Firma Scheuer & Bleut bis zu deren ,Zwangsarisierung‘. Von dem sogenannten ‚Judenhaus‘ aus wurde Max Königsdorf am 25. März 1942 in das Ghetto und Durchgangslager Piaski im besetzten Polen deportiert. Entweder hier oder in einem Vernichtungslager der Region wurde er mit 59 Jahren ermordet.

Eugenie Pauline (Paula) Königsdorf, die Tochter von Bernhard und Franziska, besuchte von 1889 bis 1890 die Höhere Mädchenschule in Mainz. 1911 heiratete sie den Mannheimer Kaufmann Max Nathan, geboren 1882 in Altdorf bei Landau. Sie unterstützte ihren Mann bei der Führung seines Herrenkonfektionsgeschäfts, das 1938 ,arisiert‘ wurde. Das Wohnhaus der Familie wurde 1939/40 zu einem ,Judenhaus‘ umfunktioniert. Am 22. Oktober 1940 wurden die Nathans im Zuge der Deportation der badisch-pfälzischen Jüdinnen*Juden nach Südfrankreich verschleppt. Eugenie und Max durchliefen drei Konzentrations- und Vernichtungslager. Im letzten, Les Milles, erlag Max Nathan am 25. April 1942 den Folgen der unmenschlichen Behandlung. Eugenie wurde am 17. August 1942 von Drancy aus nach Auschwitz deportiert. Den drei Kindern des Ehepaars Ellen Ruth, Günther Benno und Horst Dieter Nathan, alle in Mannheim geboren, gelang auf unterschiedliche Weise die Flucht in die USA.

Bernhard, der Jüngste der Familie Königsdorf, führte in der Mainzer Leibnizstraße 15 ein Kleider- und Textilwarengeschäft, das er 1940 unter dem Druck der Verfolgung aufgeben musste. Privat war er zuletzt in Wiesbaden zuhause, von wo aus er am 10. Juni 1942 deportiert wurde. Bernhard Königsdorf wurde in einem Vernichtungslager, entweder in Majdanek oder Sobibór, ermordet.


Kennkarte von Max Königsdorf

Bild 1 von 1

(© Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)


Text: Reinhard Frenzel

Redaktionelle Bearbeitung: HdE



Literatur- und Quellenhinweise:

„Eugenie Paula”. In: Mahnmal Namenverzeichnis, URL: <https://www.mannheim.de/de/tourismus-entdecken/stadtgeschichte/mahnmal/namensverzeichnis>[aufgerufen am 30.01.2025].

Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 658, Nr. 406.

„Klara Königsdorf”. In: Geni.com.

„Klara Steinam”. In: Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken.

„Klara Steinam”. In: Find a Grave.

Keim, Anton (Hg.): Tagebuch einer jüdischen Gemeinde 1941/43, Mainz 1968.

„Max Nathan”. In: Aufbau Online.

Stadtarchiv Mainz: Adressbücher der Stadt Mainz inkl. Firmenverzeichnisse 1911–1938.

Stadtarchiv Mainz: Familienregister Nr. 22814

Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg, Bestand 5/1, Nr. 903.



Die Stolpersteine für Max und Klara Königsdorf wurden am 11. September 2024 in der Rheinallee 12 verlegt.

Die Kommentare sind geschlossen.