
Hannelore Metzger kam am 8. Oktober 1921 als Tochter von Irma Metzger, geborene Leopold, und dem Kaufmann Bernhard Friedrich Metzger auf die Welt. Der Vater betrieb eine Spirituosengroßhandlung und eine Weinbrennerei in der Walpodenstraße 6 zusammen mit anderen Familienmitgliedern. Gemeinsam lebte die Familie in dem Haus in der Walpodenstraße 6, bis sie gezwungen wurde, in das ‚Judenhaus‘ in der Rheinallee 12 umzuziehen.
Nach dreijährigem Privatunterricht bei Frau Goertz, besuchte Hannelore von 1931 bis 1934 die Höhere Mädchenschule. 1934 wurde sie dort aus der Klassenliste gestrichen. Danach bemühte sie sich offensichtlich um eine Ausbildung als Haushaltsschülerin mit Schwerpunkt Pflege oder auch Erziehung. So hielt sie sich von April 1937 bis April 1938 im Kinderheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München auf, war in einer Tuberkulose-Heilstätte des Jüdischen Frauenbundes in Wyk auf Föhr und machte schließlich noch ein zehnmonatiges Praktikum im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg. Unter den sehr erschwerten Bedingungen, denen Jüdinnen*Juden zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt waren, zeigte Hannelore großes Engagement und Durchhaltevermögen, um eine Ausbildung machen zu können. Ausbildungsplätze konnte sie allerdings nur noch bei jüdischen Einrichtungen finden. Ende Juli 1939 kehrte Hannelore endgültig nach Mainz zurück. Ihr Vater Bernhard Metzger war inzwischen gestorben. Wie alle Jüdinnen*Juden erhielt Hannelore eine Kennkarte mit einem großen „J“ und ihren Fingerabdrücken. Unter ihrem Bild, das sie mit Kurzhaarschnitt zeigt, steht Hanne Lore Sarah Metzger. Auch Hannelore musste gezwungenermaßen den Beinamen „Sarah“ tragen. Ihre letzte Adresse in Mainz war das Ghettohaus in der Rheinallee 12, wo sie mit ihrer Mutter Irma Metzger gezwungen wurde zu leben.
Von dort aus wurden Mutter und Tochter am 25. März 1942 in das Lager Piaski im besetzten Polen deportiert und ermordet. Hannelore wurde nur zwanzig Jahre alt.
Text: Reinhard Frenzel
Redaktionelle Bearbeitung: HdE

Die Stolpersteine für Irma und Hannelore Metzger wurden am 3. Februar 2015 in der Walpodenstraße 6 verlegt.
