David Julius Levi



David Julius Levi

  • geboren am 16. März 1877 in Mainz
  • beging am 14. November 1938 in Mainz Selbstmord

Geboren wurde David Julius Levi, Rufname Julius, am 16. März 1877 in Mainz als zweites von insgesamt vier Kindern der Eheleute Samuel Levi, von Beruf Kaufmann, und Marianne Adler. Sein Vater, verstorben im Jahr 1906, ist auf dem Neuen Jüdischen Friedhof begraben. Er selbst ist offenbar schon vor seinem Eintritt in den Staatsdienst zur evangelischen Religion konvertiert.

Im Juli 1901 begann David Julius Levi in Mainz den juristischen Vorbereitungsdienst, im Oktober 1905 legte er die zweite Staatsprüfung ab und war dann seit April 1906 bei den hessischen Gerichten beschäftigt. Zunächst erhielt er nur eine Anstellung als Hilfsgerichtsschreiber an den Landgerichten Mainz und Darmstadt, bis er am 1. April 1919 zum Staatsanwalt „mit dem Amtssitz in Mainz“ ernannt wurde.

Insgesamt errechneten sich für ihn 33 ruhegehaltsfähige Dienstjahre, bis er am 31. März 1933 zunächst beurlaubt und dann mit Wirkung zum 16. Juni 1933 aufgrund von § 3 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wegen seiner „nicht arischen Abstammung“ in den Ruhestand versetzt wurde. Die Unterscheidung zwischen ‚Ariern‘ und ‚Nichtariern‘ traf auch ihn. Es wurden zwar die Zeiten vor seiner Ernennung zum Staatsanwalt bei der Berechnung der ihm zustehenden Pension berücksichtigt, aber er war am 1. August 1914 noch nicht planmäßiger Beamter, sodass die Ausnahmevorschrift für „Altbeamte“ auf ihn nicht zutraf.

Im Jahre 1933 gab es am Mainzer Landgericht fünf Richter und zwei Staatsanwälte, die von den antisemitisch motivierten Maßnahmen der NS-Machthaber betroffen waren. Zwei davon sind 1941 eines „natürlichen“ Todes gestorben, darunter auch der Kollege Levis, Staatsanwalt Ernst Carlebach, dessen Witwe dem Landgerichtspräsidenten 1946 schrieb, ihr Mann sei „durch das Tragen des Judensterns derart seelisch mitgenommen [gewesen], dass er schwer erkrankte und am 20. Oktober 1941 verstarb“. Zwei der Kollegen sind emigriert, einer wurde von den Nationalsozialisten in Ausschwitz ermordet und zwei begingen Suizid, um diesem Schicksal zu entgehen. Zu ihnen gehörte – neben dem Landgerichtsdirektor Karl Goldschmidt, für den ein Stolperstein in der Kaiserstraße verlegt ist – auch Julius Levi.

Sterberegistereintrag zu David Julius Levi © StAMz

Über sein Leben und Leiden im Ruhestand während der Naziherrschaft wissen wir – außer der Höhe der Bezüge – leider nichts. Im Sterberegister ist vermerkt, dass er am 13. November 1938 um 16.30 Uhr zuletzt lebend gesehen und tags darauf um 18 Uhr in seiner Wohnung tot aufgefunden wurde. Als Todesursache ist vermerkt: „Freitod durch Schlafmittelvergiftung“.


Text: Dr. Tillmann Krach

Redaktionelle Bearbeitung: HdE





Der Stolperstein für David Julius Levi wurde am 25. Oktober 2019 in der Jakob-Dieterich-Straße 5 verlegt.

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