{"id":5855,"date":"2026-02-19T11:16:01","date_gmt":"2026-02-19T10:16:01","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?page_id=5855"},"modified":"2026-02-19T11:16:02","modified_gmt":"2026-02-19T10:16:02","slug":"lieselotte-schloesser","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/biografien\/lieselotte-schloesser\/","title":{"rendered":"Lieselotte Schl\u00f6sser"},"content":{"rendered":"\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\nngg_shortcode_0_placeholder\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<br>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lieselotte \u201eLolo\u201c Schl\u00f6sser<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>geboren am 26. Mai 1914 in Mainz <\/li>\n\n\n\n<li>Flucht 1936 in die USA<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Lieselotte Schl\u00f6sser, genannt Lolo, wurde am 26. Mai 1914 als erstes Kind von Ernst und Bertha Schl\u00f6sser, geb. Stern, in Mainz geboren. Bei ihrer Geburt wohnten ihre Eltern in der Wallaustra\u00dfe 1 (2. Stock). Ihr Vater, der urspr\u00fcnglich aus einer Familie von Viehh\u00e4ndlern aus S\u00f6rgenloch stammte, hatte sich bereits zielstrebig vom mittleren Justizbeamten zum Justizobersekret\u00e4r am Amtsgericht von Mainz hochgearbeitet. Seit seiner Heirat im Jahr zuvor war er als Hilfsarbeiter bei der Stadtverwaltung angestellt. 1915 wurde er vom B\u00fcrgermeister zum Stadtsekret\u00e4r ernannt, stieg dann zum Verwaltungsinspektor und schlie\u00dflich zum Verwaltungsoberinspektor auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"663\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-663x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5877\" style=\"width:350px\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-663x1024.jpg 663w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-194x300.jpg 194w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-768x1187.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-994x1536.jpg 994w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-1325x2048.jpg 1325w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-97x150.jpg 97w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-and-Lolo-around-1924-1926-edited-copy-scaled.jpg 1656w\" sizes=\"auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><sup>Lieselotte und Heinz Schl\u00f6sser 1924\u20131926 \u00a9 privat<\/sup><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am 16. August 1921 wurde Lolos Bruder Heinz Leopold geboren. M\u00f6glicherweise steht der gro\u00dfe Altersunterschied zwischen den beiden Kindern in Zusammenhang mit der Erfindung des Insulins 1921. Denn als Diabetikerin war ihre Mutter Bertha vorher sicher starken gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen ausgesetzt. Passend dazu beschrieb ihr Mann Ernst die Stimmungsschwankungen seiner Frau als \u201ehimmelhochjauchzend zu Tode betr\u00fcbt\u201c. Auch Heinz erinnerte sich noch viele Jahre sp\u00e4ter an die emotionalen Auseinandersetzungen, die \u201eMutti\u201c mit seiner Schwester f\u00fchrte. Daf\u00fcr war Lolo das Lieblingskind ihres Vaters. Sowohl Lolo als auch Heinz wuchsen in einer beh\u00fcteten, bildungsb\u00fcrgerlichen j\u00fcdischen Familie auf, die die j\u00fcdischen Traditionen lebte und Mitglied der gro\u00dfen Synagoge war. Zudem wurde Lolo eine exzellente Klavierspielerin und war bewandert in Kunst und Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter zog die Familie samt Hausm\u00e4dchen in die Albinistra\u00dfe 1 in den 2. Stock, direkt gegen\u00fcber dem Realgymnasium, das Heinz sp\u00e4ter besuchte. Lolo besuchte nach der Volksschule die H\u00f6here M\u00e4dchenschule (heutiges Frauenlobgymnasium), die sie mit dem mittleren Abschluss verlie\u00df. W\u00e4hrend ihr Vater ungef\u00e4hr zu dieser Zeit die letzte Stufe seiner Karriere erklommen hatte und zum Verwaltungsamtsmann ernannt wurde, interessierte sich Lolo mehr und mehr f\u00fcr Jungs. Da sie diese heimlich treffen musste, beauftragte sie \u00f6fter ihren Bruder Heinz, sie gegen Bezahlung vor der R\u00fcckkehr der Eltern zu warnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der \u201aMacht\u00fcbernahme\u2018 Hitlers im Januar 1933 \u00e4nderte sich das Leben der Familie von Grund auf. Im M\u00e4rz des gleichen Jahres wurde Ernst Schl\u00f6sser aus dem Beamtentum ausgeschlossen und in den fr\u00fchzeitigen Ruhestand versetzt, sehr zur Beruhigung seiner Frau Bertha, die sehr besorgt \u00fcber Repressalien und Gewalt auf der Stra\u00dfe war. Immerhin war ihr Mann zuhause sicher. Zu dieser Zeit waren seine Kinder Heinz und Lolo 12 und 19 Jahre alt, Ernst selbst erst 49. Die stark ver\u00e4nderten Einkommensverh\u00e4ltnisse waren vermutlich der Grund, weshalb die Familie 1933\/34 in die Adam-Karrillon-Stra\u00dfe 66 (2. Stock) zog. Auch das Hausm\u00e4dchen Maria durfte seit 1934 nicht mehr f\u00fcr sie arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>1936 begann Ernst Schl\u00f6sser eine B\u00fcrot\u00e4tigkeit f\u00fcr die Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Abteilung Zentralwohlfahrtsstelle), die mit 150 Mark bezahlt wurde. Das war nicht viel mehr als der Wohngeldzuschuss, den er neben seiner kleinen Pension erhielt. Lolo, zu der Zeit bereits 22 Jahre alt, verlobte sich im gleichen Jahr mit Kurt Mann, einem Mainzer Juden, bevor sie im Dezember 1936 nach Amerika emigrierte. Ihre Einwanderung verdankte sie dem j\u00fcdischen Gesch\u00e4ftsmann Herrn Uhlmann, der f\u00fcr sie geb\u00fcrgt und so ihr und auch anderen J\u00fcdinnen*Juden das Leben gerettet hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"718\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-1024x718.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5884\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-1024x718.jpg 1024w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-300x210.jpg 300w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-768x538.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-1536x1077.jpg 1536w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-2048x1436.jpg 2048w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ernst-and-Berta-castle-in-background-1938-39-copy-150x105.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><sup>Ernst und Bertha Schl\u00f6sser, um 1938 \u00a9 privat<\/sup><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als Lolo in New York ankam, wohnte sie f\u00fcr einige Wochen bei ihrer Tante Lina, der Schwester ihres Vaters, und deren Mann Isidor. Die Stimmung dort war gedr\u00fcckt, denn sie lebten in beengten Verh\u00e4ltnissen in einem \u00fcberf\u00fcllten j\u00fcdischen Viertel. Der einst so stolze Onkel Isidor, der in Oberwesel eine koschere Metzgerei hatte, arbeitete jetzt als Nachtw\u00e4chter, w\u00e4hrend sich seine Frau Sorgen um die in Deutschland verbliebenen Verwandten machte. Anfang 1937 kam auch Kurt Mann nach Amerika. Lolo und er heirateten am 8. September 1937 in Kansas City, Missouri. Das junge Paar lebte zun\u00e4chst von der Hand in den Mund. Obwohl sie sehr viel arbeiteten, hatten sie kein eigenes Bankkonto und waren damit besch\u00e4ftigt zu \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1019\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-1019x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5881\" style=\"width:350px\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-1019x1024.jpg 1019w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-298x300.jpg 298w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-150x150.jpg 150w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-768x772.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy-1528x1536.jpg 1528w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Heinz-1937-edited-copy.jpg 1779w\" sizes=\"auto, (max-width: 1019px) 100vw, 1019px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><sup>Heinz Schl\u00f6sser 1937 \u00a9 privat<\/sup><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter gelang auch Lolos 16-j\u00e4hrigem Bruder Heinz die Flucht aus Deutschland und er kam im April 1938 in New York an. Nach einem kurzen Aufenthalt bei Tante Lina und Onkel Isidor reiste er weiter zu seiner Schwester und ihrem Mann, bei denen er in der ersten Zeit wohnen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Heinz und Lolo sich langsam in der neuen Welt zurechtfanden, waren ihre Eltern Ernst und Bertha massiven Einschr\u00e4nkungen ausgesetzt. 1940 wurden sie zwangsweise in ein sogenanntes \u201aJudenhaus\u2018 in der Kaiserstra\u00dfe 32 umgesiedelt. Sie lebten auf engstem Raum in einem Zimmer mit einer K\u00fcche, die sie auch als Bad nutzen mussten. Nichtsdestotrotz engagierte sich Ernst weiter und arbeitete als Bezirksstellenleiter zur Betreuung der Juden in Mainz. Als sie 1941 in ein anderes \u201aJudenhaus\u2018 in der Hindenburgstra\u00dfe 38 umziehen mussten, entschloss sich Ernst, mit seiner Frau Bertha das Land zu verlassen. Sein Bruder Alfred war schon im Juni 1939 nach S\u00fcdafrika geflohen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 28. Oktober 1941 beantragte Ernst Schl\u00f6sser die Reisep\u00e4sse beim Polizeipr\u00e4sidenten der Stadt Mainz und bat den Oberb\u00fcrgermeister um die Genehmigung, seinen Wohnsitz und den seiner Frau ins Ausland verlegen zu d\u00fcrfen. Er plante Anfang Dezember \u00fcber Kuba nach Amerika zu emigrieren, da die amerikanischen Konsulate in Deutschland geschlossen waren. Aber die Auflagen der Beh\u00f6rden waren hoch und die politische Situation f\u00fcr die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung spitzte sich immer weiter zu. Ernst und Bertha mussten in k\u00fcrzester Zeit Reisep\u00e4sse, Ausreisegenehmigung, Unbedenklichkeitsbescheinigungen und andere Unterlagen von den unterschiedlichsten Stellen organisieren. Der Oberb\u00fcrgermeister sagte zwar dem Reichsstatthalter in Hessen zu, auf die Erf\u00fcllung der Voraussetzungen f\u00fcr die Ausreise zu achten, aber schlie\u00dflich war es der Polizeipr\u00e4sident in Mainz, der Ernst und Bertha Schl\u00f6sser die erforderlichen Reisep\u00e4sse Ende November verweigert. Damit erhalten die Schl\u00f6ssers auch nicht den notwendigen Ausreisesichtvermerk durch den Reichsstatthalter und der Oberb\u00fcrgermeister kann die Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland nicht genehmigen. Am 11. Februar 1942 schlie\u00dft er die Akte Schl\u00f6sser ab. Am 20. M\u00e4rz 1942 werden Ernst und Bertha Schl\u00f6sser nach Piaski deportiert. Zu diesem Zeitpunkt ist Ernst 58 Jahre alt und Bertha 55. \u00dcber ihr Schicksal ist nichts Genaues bekannt Es ist aber anzunehmen, dass Bertha wegen ihres Diabetes den Transport nicht \u00fcberlebt hat. Zudem herrschen im Konzentrationslager in Piaski unmenschliche Bedingungen in eisiger K\u00e4lte und Schnee. Ernst arbeitet selbst dort noch f\u00fcr den Judenrat, bevor er im November 1942 nach Sobibor deportiert wird.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-817x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5882\" style=\"width:350px\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-817x1024.jpg 817w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-239x300.jpg 239w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-768x962.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-1226x1536.jpg 1226w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-1635x2048.jpg 1635w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-120x150.jpg 120w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Harvey-in-the-Army-formal-portrait-copy-2-scaled.jpg 2043w\" sizes=\"auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><sup>Harvey Schl\u00f6sser in der Uniform der US-Armee \u00a9 privat<\/sup><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ihr Sohn Heinz, der sich seit seiner Auswanderung Harvey nennt, hat sich bereits im Dezember 1940 bei der amerikanischen Armee verpflichtet. Da er zu der Zeit noch unter dem Einberufungsalter liegt und das Einverst\u00e4ndnis seiner Eltern braucht, hat sich Lolo als seine Mutter ausgegeben und den Bescheid unterschrieben. Im Januar 1945 kommt Heinz mit seiner Einheit \u00fcber Frankreich nach Deutschland. Hier \u00fcbersetzt er f\u00fcr seinen Major in den besetzten Gebieten, ger\u00e4t in Hinterhalte, sieht seine Kameraden sterben und erlebt das brennende Mainz, als er mit den amerikanischen Truppen den Rhein \u00fcberquert. Auch bei der Befreiung des Buchenwald-Au\u00dfenlagers Ohrdruf ist er dabei und entsetzt von den Leichenbergen der bis auf die Knochen abgemagerten Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Kriegsende machen sich Lolo und Heinz auf die Suche nach ihren Eltern und erwirken durch ihre Nachforschungen schlie\u00dflich, dass das Amtsgericht Mainz am 14.6.1950 den Tod von Ernst und Bertha Schl\u00f6sser auf den 1.3.1943 festsetzt, da sie \u201ealler Wahrscheinlichkeit nach im Konzentrationslager umgebracht worden\u201c sind. Zwei Monate sp\u00e4ter stellen sie \u00fcber ihre Anw\u00e4lte Anspr\u00fcche gem\u00e4\u00df des Bundesgesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts im \u00f6ffentlichen Dienst.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem m\u00fchseligen, Jahre andauernden Schriftverkehr m\u00fcssen sie belegen, dass sie durch den Wegfall der Bez\u00fcge ihres Vaters, der mit 49 zwangsweise in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde, einen Ausfall \u201ein Bezug auf Unterhalt, Ausstattung oder Versorgung erlitten haben.\u201c Verschiedene Anw\u00e4lte argumentieren jahrelang, welche Aussteuer Lolo entgangen ist und dass sie und Heinz auch den Besitz der Eltern sowie \u2013 nicht ganz unwesentlich \u2013 durch ihre Flucht auch ihre Heimat verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 6. Januar 1953 erkennt der Oberb\u00fcrgermeister der Stadt Mainz einen Anspruch auf Ausgleich im Rahmen des Landesgesetzes \u00fcber die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts im \u00f6ffentlichen Dienst an. Er begr\u00fcndet dies damit, dass sich beide Kinder zum Zeitpunkt der Zwangspensionierung ihres Vaters in Ausbildung befanden und es f\u00fcr Juden seinerzeit nur au\u00dferordentlich schwierige und teure Ausbildungsm\u00f6glichkeiten gab. Zudem best\u00e4tigt er Lolos Anspruch auf Aussteuer im Falle ihrer Verheiratung. Er benennt den errechneten Ausfall an Dienstbez\u00fcgen mit umgerechnet 3.772,44 Mark. Und obwohl der Stadt durch den gewaltsamen Tod von Ernst Schl\u00f6sser jegliche Ruhegehaltszahlungen erspart wurden, folgt der Ausschuss f\u00fcr Rechtsangelegenheiten im April 1953 dem Vorschlag des Oberb\u00fcrgermeisters und beschlie\u00dft, den beiden Kindern lediglich den auf die H\u00e4lfte aufgerundeten Betrag von 2000 Mark auszuzahlen. Und selbst dieser Betrag wird noch \u201eohne Anerkennung einer Rechtsverpflichtung\u201c ausgezahlt \u2013 so als h\u00e4tten Lolo und Ernst die Zahlung nur aus gutem Willen nicht aber auf einer fundierten Rechtsgrundlage erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Lolo und ihr Mann Kurt gehen auch so ihren Weg. Seit 1950 wohnen sie in New York, wo Lolo als Modedesignerin f\u00fcr Benefatto &amp; Kallman arbeitet. 1960 folgt der Umzug nach nach Baltimore, Maryland. Kurt Mann wird erfolgreicher Investmentbanker, spezialisiert auf Mergers and Acquisitions, spricht flie\u00dfend mehrere Sprachen und baut sich eine erfolgreiche Karriere auf. In den 1960er Jahren zieht er mit seiner Frau nach Vence, Frankreich. Beide sterben bei einem Autounfall am 2. M\u00e4rz 1970 in Lausanne, Schweiz. Kurt ist zu diesem Zeitpunkt 56 Jahre alt, seine Frau Lolo 55.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"916\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-916x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5886\" style=\"aspect-ratio:0.8945377289923405;width:750px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-916x1024.jpg 916w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-268x300.jpg 268w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-768x859.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-1374x1536.jpg 1374w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited-134x150.jpg 134w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Lolo-Schloesser-Mann-Kurt-Mann-husband-copy-edited.jpg 1476w\" sizes=\"auto, (max-width: 916px) 100vw, 916px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><sup>Lolo Schl\u00f6sser und Kurt Mann \u00a9 privat<\/sup><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<br>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Text: Christine Schwarz <\/p>\n\n\n\n<p>Redaktionelle Bearbeitung: HdE<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"879\" height=\"979\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Schloesser_Lieselotte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5888\" style=\"width:350px\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Schloesser_Lieselotte.jpg 879w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Schloesser_Lieselotte-269x300.jpg 269w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Schloesser_Lieselotte-768x855.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Schloesser_Lieselotte-135x150.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 879px) 100vw, 879px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Der Stolperstein f\u00fcr Lieselotte Schl\u00f6sser wurde am 8. September 2025 in der Adam-Karrillon-Stra\u00dfe 66 verlegt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<iframe src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d5128.22333035104!2d8.264460676902157!3d50.0092622190317!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x47bd96fe255460f1%3A0x37595b1f941777e3!2sAdam-Karrillon-Stra%C3%9Fe%2066%2C%2055118%20Mainz!5e0!3m2!1sde!2sde!4v1771493958312!5m2!1sde!2sde\" width=\"600\" height=\"450\" style=\"border:0;\" allowfullscreen=\"\" loading=\"lazy\" referrerpolicy=\"no-referrer-when-downgrade\"><\/iframe>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieselotte \u201eLolo\u201c Schl\u00f6sser Lieselotte Schl\u00f6sser, genannt Lolo, wurde am 26. Mai 1914 als erstes Kind von Ernst und Bertha Schl\u00f6sser, geb. Stern, in Mainz geboren. Bei ihrer Geburt wohnten ihre Eltern in der Wallaustra\u00dfe 1 (2. Stock). Ihr Vater, der urspr\u00fcnglich aus einer Familie von Viehh\u00e4ndlern aus S\u00f6rgenloch stammte, hatte&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/biografien\/lieselotte-schloesser\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":104,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-5855","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5855"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5899,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5855\/revisions\/5899"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}