{"id":4925,"date":"2024-07-03T11:38:23","date_gmt":"2024-07-03T09:38:23","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?page_id=4925"},"modified":"2024-07-03T11:38:23","modified_gmt":"2024-07-03T09:38:23","slug":"hermann-reiling-und-flora-reiling-geb-rosenthal","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/biografien\/hermann-reiling-und-flora-reiling-geb-rosenthal\/","title":{"rendered":"Hermann Reiling und Flora Reiling, geb. Rosenthal"},"content":{"rendered":"\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hermann Reiling<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>geboren am 30. Januar 1862 in Mainz<\/li>\n\n\n\n<li>Am 30. M\u00e4rz 1942 im J\u00fcdischen Krankenhaus Mainz verstorben<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Flora Reiling, geb. Rosenthal<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>geboren am 1. November 1869 in Frankfurt am Main<\/li>\n\n\n\n<li>Am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert<\/li>\n\n\n\n<li>Am 21. Februar 1943 in Theresienstadt gestorben<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Hermann Reiling wurde am 30. Januar 1862 als zweites von sechs Kindern der Eheleute David und Esther Reiling, geb. Schmalkalden, in Mainz geboren. Sein Vater, der urspr\u00fcnglich aus der orthodoxen Landgemeinde Auerbach bei Bensheim stammte, war bereits im Alter von 26 Jahren nach Mainz gezogen, hatte dort geheiratet und eine Manufakturwarenhandlung (Meter- und Textilwaren) er\u00f6ffnet, die er erfolgreich um den Handel mit Gew\u00fcrzen, Antiquit\u00e4ten, Kunstgegenst\u00e4nden, Gold und Immobilien erweiterte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie geh\u00f6rte der traditionsorientierten \u201eIsraelitischen Religionsgemeinschaft\u201c der Synagoge an der Flachsmarktstra\u00dfe an, die sich in der N\u00e4he ihrer Wohnung in der Stadthausstra\u00dfe 15 befand. 1883 zog die Familie in die Flachsmarktstra\u00dfe 10 um. 1889 starb Hermanns Vater David mit 56 Jahren, sodass seine Mutter das Gesch\u00e4ft \u00fcbernehmen musste. Zwei Jahre sp\u00e4ter nahm sie den Sohn Hermann in die Gesch\u00e4ftsleitung auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. Juni 1892, wenige Wochen vor dem Tod seiner Mutter, heiratete Hermann die aus Frankfurt am Main stammende Flora Rosenthal in deren Heimatstadt. Sie war dort am 1. November 1869 als viertes von sechs Kindern von Seligmann und Sarah Rosenthal, geb. Hess, zur Welt gekommen. Ihr Vater betrieb ein Bank- und Kommissionsgesch\u00e4ft, in das sp\u00e4ter auch ihr Bruder Leo einstieg. Hermann und Flora wohnten im ersten Ehejahr noch in der ehemals elterlichen Wohnung in der Flachsmarktstra\u00dfe 10, zogen dann aber in die Bahnhofstra\u00dfe 4 um. 1908 erfolgte schlie\u00dflich der Umzug in die Rheinallee 5.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"757\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-1024x757.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4927\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-1024x757.jpg 1024w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-300x222.jpg 300w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-768x568.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-1536x1135.jpg 1536w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling-150x111.jpg 150w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Rheinallee_5_Reiling.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick auf das Geb\u00e4ude Rheinallee 5 (\u00a9 Stadtarchiv Mainz, BPS)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Die Ehe von Hermann und Flora Reiling blieb kinderlos. Als strenggl\u00e4ubige j\u00fcdische Menschen sah sich das Ehepaar auch der Tradition der Zedakah, der religi\u00f6s verankerten Wohlt\u00e4tigkeit, verpflichtet. Hermann engagierte sich wie bereits sein Vater im Vorstand des Israelitischen Hilfsvereins sowie in der Leitung des Hospital-Vereins. Flora arbeitete wie viele gut gestellte j\u00fcdische Frauen im Vorstand des Mainzer Israelitischen Krankenpflege-Vereins der Frauen und M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als alleiniger Inhaber baute Hermann das elterliche Gesch\u00e4ft, das immer noch unter dem Namen seines Vaters firmierte, sukzessive zu einem erfolgreichen Kunst- und Antiquit\u00e4tenhandel auf und avancierte damit sogar zum hessischen Hoflieferanten f\u00fcr Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig von Hessen. 1899 nahm er seinen j\u00fcngeren Bruder Isidor, den Vater der sp\u00e4teren Schriftstellerin Anna Seghers, in die Gesch\u00e4ftsleitung auf. Da Isidors Frau Hedwig aus einer angesehenen Familie des Frankfurter Gro\u00dfb\u00fcrgertums stammte, ihr Onkel zudem international anerkannter Kunsth\u00e4ndler mit Zweigstellen in Berlin, Paris und London war, konnten sie diese Kontakte nutzen und wurden 1910 zum russischen und 1914 zum preu\u00dfischen Hoflieferanten ernannt. Als die urspr\u00fcnglichen Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in der Flachsmarktstra\u00dfe 10 nicht mehr ausreichten, zog die Kunst- und Antiquit\u00e4tenhandlung zun\u00e4chst in die Flachsmarktstra\u00dfe 2 um. Durch die internationale Expansion kauften die beiden Br\u00fcder Hermann und Isidor auch noch das Nachbarhaus Nr. 4.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Macht\u00fcbernahme Adolf Hitlers begannen die Repressalien gegen die j\u00fcdische Familie. Im Zuge der Pogromnacht am 9.\/10. November 1938 wurden sowohl das Gesch\u00e4ft als auch die Wohnung der Reilings verw\u00fcstet, Schmuck und Wertsachen entzogen und ihr Gesch\u00e4ft geschlossen. Am 8. M\u00e4rz 1940 wurde das Gesch\u00e4ftshaus am Flachsmarkt zwangsweise \u201aarisiert\u2018 und musste verkauft werden. Kurz darauf starb Hermanns Bruder Isidor im j\u00fcdischen Krankenhaus Mainz im Alter von 72 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"730\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-1024x730.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4928\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-1024x730.jpg 1024w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-300x214.jpg 300w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-768x548.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-1536x1095.jpg 1536w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-2048x1460.jpg 2048w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Hermann_Reiling_Kennkarte-150x107.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kennkarte von Hermann Reiling (\u00a9 <a href=\"https:\/\/zentralarchiv-juden.de\/fileadmin\/user_upload\/bis2016dateien\/B_5.1_Abt_IV_0423.pdf\">Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Flora und Hermann Reiling wurden gezwungen, in das \u201aJudenhaus\u2018 in der Kaiserstra\u00dfe 53 zu ziehen. Dort lebten sie auf engstem Raum in nur einem Zimmer. Am 30. M\u00e4rz 1942 starb Hermann an Kehlkopfkrebs im j\u00fcdischen Krankenhaus. Er ist auf dem Neuen J\u00fcdischen Friedhof in Mainz beerdigt. Flora musste noch einmal umziehen, diesmal in das \u201aJudenhaus\u2018 in der Kaiserstra\u00dfe 32. Am 27. September 1942 wurde sie mit zumeist \u00e4lteren und kranken Menschen nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie v\u00f6llig geschw\u00e4cht am 21. Februar 1943 im Alter von 74 Jahren. Posthum wurde ihr Name auf dem Grabstein ihres Mannes Hermann erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Text: Christine Schwarz<\/p>\n\n\n\n<p>Redaktionelle Bearbeitung: HdE<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Ancestry: Stammb\u00e4ume der Familien Reiling und Rosenthal.<\/p>\n\n\n\n<p>Bad Arolsen Archiv online<\/p>\n\n\n\n<p>Nationalarchiv Prag\/Institut Theresienst\u00e4dter Initiative.<\/p>\n\n\n\n<p>Philips, Michael Stowell: Jews of Kaiserstrasse, JewishGen. 2020.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtarchiv Frankfurt am Main: Adressbuch der Stadt Frankfurt von 1894.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtarchiv Mainz: Adressb\u00fccher der Stadt Mainz von 1860\u20131940.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtarchiv Mainz: Familienregister Mainz Nr. 12082-19980, Nr. 29129-37461.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtarchiv Mainz: Sterberegister der Stadt Mainz von 1876\u20131950. <\/p>\n\n\n\n<p>Zehmer, Kerstin: Familie Reiling, In: Knigge-Tesche, Renate\/ Br\u00fcchert, Hedwig (Hg.): Der Neue J\u00fcdische Friedhof (Sonderheft der Mainzer Geschichtsbl\u00e4tter), Mainz 2013, S. 226\u2013235.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Kennkarten Mainz 1939.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<iframe src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d2564.1247948559276!2d8.265915376921912!3d50.00901611904926!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x47bd9701d78b3807%3A0xace9c805480aa9a8!2sRheinallee%205%2C%2055116%20Mainz!5e0!3m2!1sde!2sde!4v1719997936612!5m2!1sde!2sde\" width=\"600\" height=\"450\" style=\"border:0;\" allowfullscreen=\"\" loading=\"lazy\" referrerpolicy=\"no-referrer-when-downgrade\"><\/iframe>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die Stolpersteine wurden am 6. Mai 2022 in der Rheinallee 5 verlegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hermann Reiling Flora Reiling, geb. Rosenthal Hermann Reiling wurde am 30. Januar 1862 als zweites von sechs Kindern der Eheleute David und Esther Reiling, geb. Schmalkalden, in Mainz geboren. Sein Vater, der urspr\u00fcnglich aus der orthodoxen Landgemeinde Auerbach bei Bensheim stammte, war bereits im Alter von 26 Jahren nach Mainz&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/biografien\/hermann-reiling-und-flora-reiling-geb-rosenthal\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":104,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-4925","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4925","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4925"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4925\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4929,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4925\/revisions\/4929"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4925"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}