{"id":1520,"date":"2021-01-20T16:43:41","date_gmt":"2021-01-20T15:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?page_id=1520"},"modified":"2022-02-03T10:28:24","modified_gmt":"2022-02-03T09:28:24","slug":"karl-goldschmidt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/biografien\/karl-goldschmidt\/","title":{"rendered":"Dr. Karl Goldschmidt"},"content":{"rendered":"\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\nngg_shortcode_0_placeholder\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<br>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<br>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"kurzbiografie\">Kurzbiografie:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>geboren am 4. August 1873 in Mainz <\/li><li>in den Selbstmord getrieben am 30. M\u00e4rz 1942<\/li><\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<h3 class=\"has-background wp-block-heading\" id=\"das-gesetz-zur-wiederherstellung-des-berufsbeamtentums\" style=\"background-color:#aec2d4\">Das \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#aec2d4\">Nur kurze Zeit nach der \u201a<a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/machtergreifung\/\">Macht\u00fcbernahme<\/a>\u2018 der Nationalsozialisten wurde am 7. April 1933 das \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c erlassen. Durch dieses Gesetz konnten die Nationalsozialisten j\u00fcdische und politisch andersdenkende Beamt*innen aus dem Dienst entlassen. Beamte nicht arischer Abstammung waren nur dann nicht von diesen Regelungen betroffen, wenn sie nachweisen konnten, dass sie schon vor 1914 verbeamtet wurden, im Ersten Weltkrieg f\u00fcr das Deutsche Reich gek\u00e4mpft hatten, oder ihr Vater oder ihre S\u00f6hne im Weltkrieg gefallen waren.<br><br>Um das Gesetz umsetzen zu k\u00f6nnen, mussten fortan alle Beamt*innen einen sogenannten \u201aAriernachweis\u2018 erbringen, mit dem sie belegen mussten, dass sie keine j\u00fcdischen Vorfahren hatten. In Mainz verloren auf Grundlage dieses Gesetzes unter anderem die j\u00fcdischen Lehrkr\u00e4fte an den st\u00e4dtischen oder staatlichen Schulen ihre Stellen. Zu ihnen geh\u00f6rten Sophie Cahn, Dr. Moritz Lorge und Johanna Sichel, die alle an der H\u00f6heren M\u00e4dchenschule unterrichtet hatten sowie Dr. Eugen Mannheimer, der Oberstudienrat an der Oberrealschule war. Zu den bekanntesten Pers\u00f6nlichkeiten, die aufgrund dieses Gesetzes in Mainz entlassen wurden, geh\u00f6ren der ehrenamtliche Beigeordnete der Stadt Mainz, Ludwig Epstein (SPD), der Direktor des Mainzer Gesundheitsamtes, Dr. Heinrich Rosenhaupt, sowie der Direktor der Mainzer Musikhochschule, Hans G\u00e1l.<br><\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stolpersteine sollen an diejenigen erinnern, f\u00fcr die es keinen Ort des Gedenkens in Gestalt einer Grabst\u00e4tte gibt. Karl Goldschmidt wurde zwar beigesetzt, allerdings unter Umst\u00e4nden, die eine Grabinschrift mit seinem Namen nicht zulie\u00dfen \u2013 und dies hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert. Dort, wo er nach seinem Suizid beerdigt wurde \u2013 auf dem Neuen J\u00fcdischen Friedhof \u2013 gibt es keinen Stein (mehr), und die Grabst\u00e4tte, in die man ihn zwei Jahre sp\u00e4ter vermutlich unter konspirativen Umst\u00e4nden \u00fcberf\u00fchrt hat, nennt seinen Namen nicht: Es ist das gro\u00dfe Familiengrab Zuckmayer\/Goldschmidt auf dem Mainzer Hauptfriedhof. Am 8. Februar 1944 war sein Bruder Fritz eines nat\u00fcrlichen Todes gestorben und man hatte die guten Beziehungen zum evangelischen Pfarrer genutzt, um anl\u00e4sslich der vier Tage sp\u00e4ter erfolgten Beisetzung auch die Urne mit den sterblichen \u00dcberresten von Karl Goldschmidt dorthin zu \u00fcberf\u00fchren, wo sie hingeh\u00f6rten: In das (christliche) Familiengrab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Moritz Goldschmidt, Rufname Karl, f\u00fcr die Familie \u201eOnkel Motz\u201c, war das zweite von drei Kindern der Eheleute Eduard Goldschmidt und Rosalie Cannstadt, die sich und ihre Kinder zehn Jahre nach seiner Geburt evangelisch taufen lie\u00dfen. Seine \u00e4ltere Schwester Amalie heiratete Carl Zuckmayer senior, sein j\u00fcngerer Bruder Fritz dessen Schwester Gertrude, er selbst blieb unverheiratet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner Ausbildung \u2013 in der Anwaltsstation nat\u00fcrlich bei Justizrat Dr. Joseph Zuckmayer (Bruder von Carl Zuckmayer senior) \u2013 war er zun\u00e4chst Hilfs- und dann planm\u00e4\u00dfiger Richter beim Amtsgericht Bingen und wurde 1922 Landgerichtsrat in Mainz, sp\u00e4ter sogar Landgerichtsdirektor. Kurz nach der \u201a<a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/machtergreifung\/\">Macht\u00fcbernahme<\/a>\u2018 der Nationalsozialisten erlie\u00dfen diese das Gesetz mit der zynischen Bezeichnung \u201ezur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c, das zwar zun\u00e4chst die sogenannten Altbeamten mit j\u00fcdischer Herkunft verschonte, ihnen aber nahelegte, \u201ezur Vereinfachung der Verwaltung\u201c \u2013 bei Erhalt der Pensionsbez\u00fcge \u2013 die Versetzung in den Ruhestand zu beantragen.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_1_placeholder\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 1. Oktober 1933 war Karl Goldschmidt, inzwischen 60 Jahre alt, Landgerichtsdirektor im Ruhestand und hatte eine Pension von monatlich 553,18 RM zur Verf\u00fcgung. Zuvor hatte er noch den ber\u00fcchtigten Fragebogen auszuf\u00fcllen, in dem er sich als \u201eevangelisch (fr\u00fcher israelitisch)\u201c bezeichnete und gr\u00f6\u00dften Wert darauf legte, \u201eniemals einer politischen Partei\u201c angeh\u00f6rt zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz vor seinem Suizid wurde Karl Goldschmidt gezwungen, das Haus in der Kaiserstra\u00dfe 50 zu verlassen und in die Kaiserstra\u00dfe 21 \u2013 in eines der sogenannten \u201a<a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/judenhaus\/\">Judenh\u00e4user<\/a>\u2019 \u2013 umzuziehen. Vermutlich hat er dort eine \u00dcberdosis Schlafmittel genommen und wurde daraufhin ins J\u00fcdische Krankenhaus eingeliefert, wo er am 30. M\u00e4rz 1942 starb. Das Sterberegister vermerkt als Todesursache lapidar: \u201eSchlafmittelvergiftung (Selbstmord)\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-zoooom\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1562\" width=\"311\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-768x1024.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-225x300.jpg 225w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-113x150.jpg 113w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_13121-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><figcaption><sup>Foto: HdE<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verfasser: Dr. Tillmann Krach, dessen Urgro\u00dfonkel Dr. Karl Goldschmidt war<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktionelle Bearbeitung: HdE<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literaturhinweise<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Br\u00fcchert, Hedwig. Nationalsozialistischer Rassenwahn. Entrechtung, Verschleppung und Ermordung der Mainzer Juden, Sinti und geistig behinderten Menschen, in: Stadt Mainz (Hrsg.): Der Nationalsozialismus in Mainz 1933\u201345. Terror und Alltag (Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 36), Mainz 2008, S. 79\u201392.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krach, Tillmann: Die Verfolgung und Ermordung der Mainzer Anw\u00e4lte j\u00fcdischer Herkunft, in: Mainzer Geschichtsbl\u00e4tter. Mainz, Wiesbaden und Rheinhessen in der Zeit des Nationalsozialismus (2000), H. 12, S. 7\u201326. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krach, Tillmann: Dr. Karl Goldschmidt, in: Knigge-Tesche, Renate &amp; Br\u00fcchert, Hedwig (Hrsg.): Der Neue J\u00fcdische Friedhof in Mainz. Biographische Skizzen zu Familien und Personen, die hier ihre Ruhest\u00e4tte haben. Mit einem Beitrag zur Trauerhalle von Ansgar Brockmann (Sonderheft der Mainzer Geschichtsbl\u00e4tter), Mainz 2013, S. 111.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-zoooom\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2503\" srcset=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-300x225.jpg 300w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-768x576.jpg 768w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Gebaeude_Goldschmidt-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><sup>Foto: Krach<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Stolperstein wurde am 3. Februar 2015 in der Kaiserstra\u00dfe 50 verlegt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<iframe src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d2564.26532054423!2d8.263896015571264!3d50.006382079416525!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x47bd96fdeda528f3%3A0xbdf246653556e984!2sKaiserstra%C3%9Fe%2050%2C%2055116%20Mainz!5e0!3m2!1sde!2sde!4v1636453087365!5m2!1sde!2sde\" width=\"600\" height=\"450\" style=\"border:0;\" allowfullscreen=\"\" loading=\"lazy\"><\/iframe>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzbiografie: geboren am 4. August 1873 in Mainz in den Selbstmord getrieben am 30. M\u00e4rz 1942 Das \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c Nur kurze Zeit nach der \u201aMacht\u00fcbernahme\u2018 der Nationalsozialisten wurde am 7. 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