{"id":919,"date":"2020-10-29T22:57:19","date_gmt":"2020-10-29T21:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=919"},"modified":"2021-08-18T16:24:34","modified_gmt":"2021-08-18T14:24:34","slug":"novemberpogrom","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/novemberpogrom\/","title":{"rendered":"Novemberpogrom"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die Novemberpogromnacht genannt wird, fanden reichsweit Boykotte und radikal gewaltt\u00e4tige Ausschreitungen gegen J\u00fcdinnen*Juden in ihren Gesch\u00e4ften, in ihren Privatwohnungen, auf der Stra\u00dfe und in Synagogen statt. So wurden viele H\u00e4user und Schaufensterscheiben zerst\u00f6rt, Synagogen in Brand gesetzt und physisch Gewalt an j\u00fcdischen Menschen ver\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Novemberpogromnacht meint die Verw\u00fcstungen vieler Synagogen, Wohnungen und Gesch\u00e4fte von J\u00fcdinnen*Juden durch die SA in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Die am 9. und 10. November 1938 stattfindenden Pogrome gegen J\u00fcdinnen*Juden im ganzen Deutschen Reich bedeuteten eine Versch\u00e4rfung der Verfolgung durch das NS-Regime. Grundlage f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Pogrome war ein Beschluss w\u00e4hrend eines Treffens zwischen Hitler und Goebbels in M\u00fcnchen. Anlass daf\u00fcr war die Nachricht vom Tod des Legionssekret\u00e4rs Ernst Eduard vom Rath in Paris, der zwei Tage nach einem Attentat durch den 17-j\u00e4hrigen Juden Herschel Grynszpan seinen Verletzungen erlegen war. Grynszpan wollte wohl Vergeltung f\u00fcr seine Eltern \u00fcben, die im Oktober 1938 gemeinsam mit vielen weiteren tausend in Deutschland lebenden J\u00fcdinnen*Juden polnischer Staatsangeh\u00f6rigkeit v\u00f6llig unvermittelt von der Gestapo verhaftet und an die polnische Staatsgrenze abgeschoben wurden.\u00a0 Die Gruppenf\u00fchrer der SA in M\u00fcnchen erlie\u00dfen Befehle an die untergeordneten Gruppen und diese wiederum an s\u00e4mtliche Brigaden, Standarten und St\u00fcrme mit dem Ziel, Aktionen gegen j\u00fcdische Gesch\u00e4fte, Wohnh\u00e4user und Synagogen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Mainz richtete das Novemberpogrom schlimme Sch\u00e4den an. So wurde die Mainzer Hauptsynagoge in der Hindenburgstra\u00dfe durch Brandlegung zerst\u00f6rt. Der Davidstern wurde vom Dach der Kuppel entfernt, die Synagoge brannte gemeinsam mit dem angrenzenden Haus nieder, in dem die j\u00fcdische Bezirksschule, die Bibliothek und die Verwaltung untergebracht waren. Die Feuerwehr durfte den Brand nicht l\u00f6schen oder eind\u00e4mmen, sondern lediglich das \u00dcbergreifen auf umliegende Geb\u00e4ude verhindern. Die besch\u00e4digte und gesch\u00e4ndete Synagoge wurde im Anschluss gesprengt und zum Einsturz gebracht. F\u00fcr die Kosten der Sprengung und der sich anschlie\u00dfenden Aufr\u00e4umarbeiten musste die J\u00fcdische Gemeinde Mainz aufkommen. Die Zerst\u00f6rung der Synagoge bedeutete auch zeitgleich den Untergang der J\u00fcdischen Gemeinde in Mainz. Nach der Pogromnachtund am Morgen des 10. Novembers zogen fanatisiert gesteuerte Nationalsozialist*innen (darunter auch zahlreiche vom Unterricht befreite Sch\u00fcler*innen) durch Mainz und verw\u00fcsteten und zerst\u00f6rten j\u00fcdische Gesch\u00e4fte sowie Privatwohnungen und misshandelten J\u00fcdinnen*Juden. Mit den Pogromen einher gingen Verhaftungen und Deportationen der J\u00fcdinnen*Juden in Konzentrationslager wie Buchenwald und Dachau. Die Hoffnungen, in der Heimat zu bleiben, die viele J\u00fcdinnen*Juden noch hatten, wurden durch die Erfahrungen in der Pogromnacht zunichte gemacht. \u201eDie Auswanderungszahlen stiegen wieder steil an. Waren zwischen 1933 und August 1938 rund 650 Mainzer Juden aus Deutschland weggegangen, so verdoppelte sich diese Zahl bis 1941.\u201c (Br\u00fcchert, 1988, S. 91).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Berkessel, Hans: \u201eAls die letzten Hoffnungen verbrannten. Die Pogromnacht des 9.\/10. November 1938 in Mainz, in: Mainzer Vierteljahreshefte 4\/2018, S. 4-11.<\/p>\n\n\n\n<p>Berkessel, Hans; Br\u00fcchert, Hedwig; Dobras, Wolfgang; Erbar, Ralph; Teske, Frank (Hrsg.): Leuchte des Exils. Zeugnisse j\u00fcdischen Lebens in Mainz und Bingen, N\u00fcnnerich-Asmus, Oppenheim 2016 (Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz, Bd. 1).<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6melburg, Hans-J\u00fcrgen: Zur\u00fcck blieb ein Tr\u00fcmmerfeld. Die Pogrome vom 9.\/10. November 1938 in Mainz, in: Keim, Anton Maria &amp; Verein f\u00fcr Sozialgeschichte Mainz e.V. (Hrsg.): Als die letzten Hoffnungen verbrannten. 9.\/10. November 1938. Mainzer Juden zwischen Integration und Vernichtung, Hermann Schmidt, Mainz 1988, S. 67\u201378.<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcchert, Hedwig: In alle Winde zerstreut. Mainzer Juden in der Emigration, in: Keim, Anton Maria &amp; Verein f\u00fcr Sozialgeschichte Mainz e.V. (Hrsg.): Als die letzten Hoffnungen verbrannten. 9.\/10. November 1938. Mainzer Juden zwischen Integration und Vernichtung, Hermann Schmidt, Mainz 1988, S. 79\u2013100.<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcchert, Hedwig: Nationalsozialistischer Rassenwahn. Entrechtung, Verschleppung und Ermordung der Mainzer Juden, Sinti und geistig behinderten Menschen, in: Stadt Mainz (Hrsg.): Der Nationalsozialismus in Mainz 1933\u201345. Terror und Alltag (Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 36), Stadtarchiv, Mainz 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>Krienke, Dieter: \u201eEine Zierde unserer geliebten Vaterstadt\u201c. Die Mainzer Hauptsynagoge von Willy Graf (1912), in: Br\u00fcchert, Hedwig (Hrsg.): Die Mainzer Synagogen. Ein \u00dcberblick \u00fcber die Mainzer Synagogenbauwerke mit erg\u00e4nzenden Beitr\u00e4gen \u00fcber bedeutende Rabbiner, das alte Judenviertel und die Bibliotheken der j\u00fcdischen Gemeinden, Mainz 2008 (Sonderheft der Mainzer Geschichtsbl\u00e4tter), S. 89\u2013117.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die Novemberpogromnacht genannt wird, fanden reichsweit Boykotte und radikal gewaltt\u00e4tige Ausschreitungen gegen J\u00fcdinnen*Juden in ihren Gesch\u00e4ften, in ihren Privatwohnungen, auf der Stra\u00dfe und in Synagogen statt. 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