{"id":4862,"date":"2024-07-02T10:39:38","date_gmt":"2024-07-02T08:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=4862"},"modified":"2024-07-02T10:39:38","modified_gmt":"2024-07-02T08:39:38","slug":"euthanasie","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/euthanasie\/","title":{"rendered":"\u201aEuthanasie\u2018"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">Der Begriff ,Euthanasie\u2018 wurde von den Nationalsozialisten benutzt um die Ermordung von Menschen mit physischen und\/oder psychischen Krankheiten, Einschr\u00e4nkungen oder auch Behinderungen als ,Gnadentod\u2018 zu verharmlosen. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und beschreibt eigentlich einen leichten und sch\u00f6nen Tod (\u201eeu\u201c f\u00fcr \u201egut, sch\u00f6n\u201c und \u201ethanatos\u201c f\u00fcr \u201eTod\u201c). In der Realit\u00e4t aber versteckte sich hinter dem Begriff eine genauestens durchgeplante T\u00f6tungsaktion (Tarnbezeichnung: ,Aktion T4\u2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen mit verschiedensten Arten von physischen und\/oder psychischen Krankheiten, Einschr\u00e4nkungen oder auch Behinderungen geh\u00f6rten f\u00fcr die Nationalsozialisten nicht zur sogenannten ,Volksgemeinschaft\u2018 und wurden aufgrund dessen zwangssterilisiert und ermordet.&nbsp;Viele Menschen mit Behinderung wurden in Nerven- und Heilanstalten sowie Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung lebten und versorgt wurden, ermordet. Nach der nationalsozialistischen \u201aRassenpolitik\u2018 galten diese Menschen als \u201anicht lebenswert\u2018.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Ermordung im Rahmen der NS-\u201aEuthanasie\u2018 wurden aufgrund der nationalsozialistischen \u201aRassenpolitik\u2018 auch viele Menschen zwangssterilisiert. Am 14. Juli 1933 wurde das \u201eGesetz zur Verh\u00fctung erbkranken Nachwuchses\u201c (GzVeN) beschlossen, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat. Aufgrund dieses Gesetzes wurden w\u00e4hrend der nationalsozialistischen Diktatur 380.000 bis 400.000 M\u00e4nner und Frauen zwangssterilisiert, wobei etwa 5.000 Menschen infolge des operativen Eingriffes starben. Bereits Mitte der 1920er-Jahre war die Idee aufgekommen, ein sogenanntes \u201eSterilisationsgesetz\u201c zu verabschieden, wobei hier noch die Einwilligung der Betroffenen als Bedingung f\u00fcr diesen operativen Eingriff vorgesehen war. Im Nationalsozialismus konnten nun aufgrund des GzVeN Menschen zwangssterilisiert werden, die an folgenden \u201aKrankheiten\u2018 litten: \u201aangeborener Schwachsinn\u2018, Schizophrenie, zirkul\u00e4res und manisch-depressives \u201aIrresein\u2018, erbliche \u201aFallsucht\u2018 (Epilepsie), erblicher \u201aVeitstanz\u2018 (Huntingtonsche Chorea), erbliche Blindheit, erbliche Taubheit, erbliche k\u00f6rperliche Missbildung und Alkoholismus. Vor allem die erste Diagnose, \u201aangeborener Schwachsinn\u2018 muss kritisch hinterfragt werden, da sie h\u00e4ufig gestellt wurde, um politische Gegner*innen als \u201akrank\u2018 abzustempeln und diese in Nerven- und Heilanstalten einzuweisen. Das nationalsozialistische \u201eGesetz zur Verh\u00fctung erbkranken Nachwuchses\u201c (GzVeN) galt in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit nicht als \u201aunrechtm\u00e4\u00dfiges\u2018 Gesetz, weswegen von dem Gesetz Betroffene nicht entsch\u00e4digt wurden. Erst ab den 1980er-Jahren kam zwangssterilisierten Menschen eine einmalige Zahlung von 5.000 DM zugute. Ab 1988 erhielten die Betroffenen eine kleine Rente. Ein Jahr zuvor war der \u201eBund der \u201aEuthanasie\u2018-Gesch\u00e4digten und Zwangssterilisierten\u201c (BEZ) gegr\u00fcndet worden, in dem sich Betroffene f\u00fcr die Anerkennung des Erlebten einsetzten und auf die psychischen Folgen ihrer erzwungenen Kinderlosigkeit verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Geschichte der NS-\u201aEuthanasie\u2018, aber vor allem zu den Opfern aus Mainz und Rheinhessen hat das Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz eine Ausstellung konzipiert, zu der man&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/ausstellung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>&nbsp;gelangt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aly, G\u00f6tz: Die Belasteten. Euthanasie 1939\u20131945. Eine Gesellschaftsgeschichte, Frankfurt am Main 2013.<\/p>\n\n\n\n<p>Benzh\u00f6fer, Udo: Entw\u00fcrfe f\u00fcr ein NS-\u201eEuthanasie\u201c-Gesetz (1939\/1940), Ulm 2017 (Frankfurter Studien zur Geschichte und Ethik der Medizin, Bd. 4).<\/p>\n\n\n\n<p>Goebel, Christine\/ Hocke, Michaela\/ Pawelletz, J\u00f6rg (Hrsg.): \u201eLebensunwert\u201c \u2013 entw\u00fcrdigt und vernichtet. Zwangssterilisation und Patientenmorde im Nationalsozialismus im Spiegel der Quellen des Landeshauptarchivs Koblenz. Begleitband zur Ausstellung, Koblenz 2017 (Ver\u00f6ffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 126).<\/p>\n\n\n\n<p>Hedwig, Andreas\/ Petter, Dirk (Hrsg.): Auslese der Starken \u2013 \u201eAusmerzung\u201c der Schwachen. Eugenik und NS-\u201eEuthanasie\u201c im 20. Jahrhundert, Marburg 2017 (Schriften des Hessischen Staatsarchiv Marburg, Bd. 35).<\/p>\n\n\n\n<p>Hexemer, Hans-Peter (Hrsg.): Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, 2016: Plenarsitzung in der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, Ausstellung im Landtag Rheinland-Pfalz und der Gedenkst\u00e4tte KZ Osthofen, Mainz 2017 (Schriftenreihe des Landtags Rheinland-Pfalz, Heft 66).<\/p>\n\n\n\n<p>Hinz-Wessels, Annette: Tiergartenstra\u00dfe 4. Schaltzentrale der nationalsozialistischen \u201eEuthanasie\u201c-Morde, Berlin 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Israelitische Religionsgesellschaft Mainz (Hrsg.): Zur Geschichte der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Mainz. Festschrift anl\u00e4sslich ihres 75j\u00e4hrigen Bestehens 1859-1934, Mainz 1935, S. 41 (Klassenlisten nach 1908 sind nicht \u00fcberliefert).<\/p>\n\n\n\n<p>Kneuker, Gerhard\/ Steglich, Wulf: Begegnungen mit der Euthanasie in Hadamar, Rehburg-Loccum 2016.<\/p>\n\n\n\n<p>Osterloh, J\u00f6rg\/ Schulte, Jan Erik (Hrsg.): \u201eEuthanasie\u201c und Holocaust. Kontinuit\u00e4ten, Kausalit\u00e4ten, Parallelit\u00e4ten, Paderborn 2021 (Schriftenreihe der Gedenkst\u00e4tte Hadamar, Bd. 1).<\/p>\n\n\n\n<p>Polter, Lars: Zwangssterilisation und \u201eEuthanasie\u201c im Erinnern und Erz\u00e4hlen. Biografische Interviews mit Betroffenen und Angeh\u00f6rigen, M\u00fcnster u. a. 2020 (Studien zur Volkskunde in Th\u00fcringen, Bd. 10).<\/p>\n\n\n\n<p>Westermann, Stefanie: Verschwiegenes Leid. Der Umgang mit den NS-Zwangssterilisationen in der Bundesrepublik Deutschland, K\u00f6ln 2010 (Menschen und Kulturen, Bd. 7).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als \u201aAktion T4\u2018 werden die systematischen Ermordungen von Menschen mit psychischen und physischen Erkrankungen sowie Menschen mit Behinderungen im Rahmen der NS-\u201aEuthanasie\u2018 bezeichnet. Zwischen 1940 und 1941 wurden durch die Nationalsozialisten so mehr als 70.000 Menschen ermordet. Die Bezeichnung \u201aAktion T4\u2018 wurde \u2013 aufgrund des Standortes der Zentraldienststelle in der Tiergartenstra\u00dfe 4 \u2013 erst nach 1945 gebr\u00e4uchlich. <\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/euthanasie\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-4862","glossary","type-glossary","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/4862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/4862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4873,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/4862\/revisions\/4873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}