{"id":270,"date":"2020-09-24T20:29:12","date_gmt":"2020-09-24T18:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=270"},"modified":"2020-12-03T13:53:44","modified_gmt":"2020-12-03T12:53:44","slug":"konzentrationslager-in-osthofen","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/konzentrationslager-in-osthofen\/","title":{"rendered":"Konzentrationslager in Osthofen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#aec2d4\">Als \u201afr\u00fche Konzentrationslager\u2018 bezeichnet man Lager, die bereits 1933, also unmittelbar nach der \u201aMacht\u00fcbernahme\u2018 Adolf Hitlers, im nationalsozialistischen Deutschen Reich provisorisch eingerichtet wurden. In Osthofen in der N\u00e4he von Worms am Rhein befand sich zwischen 1933 und 1934 ein solches Lager. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Geb\u00e4uden einer ehemaligen Papier- und Pappdeckelfabrik entstand kurz nach der \u201aMacht\u00fcbernahme\u2018 der Nationalsozialisten das KZ Osthofen. Hier wurden von M\u00e4rz 1933 bis Sommer 1934 Gegner*innen des nationalsozialistischen Regimes inhaftiert, allen voran Mitglieder der KPD und SPD, Gewerkschafter, aber auch Angeh\u00f6rige des Zentrums, J\u00fcdinnen*Juden, Zeugen Jehovas und Sinti. Angeordnet wurde die Einrichtung dieses \u201afr\u00fchen Konzentrationslagers\u2018 durch den Staatskommissar f\u00fcr das Polizeiwesen im Volkstaat Hessen \u2013 Dr. Werner Best. Auf der Grundlage der am 28. Februar 1933 erlassenen \u201aVerordnung zum Schutz von Volk und Staat\u2018 (\u201aReichstagsbrandverordnung\u2018) ordnete Best zum 1. Mai 1933 die Schaffung eines Konzentrationslagers in Osthofen an. Bereits Anfang M\u00e4rz war das Geb\u00e4ude der ehemaligen Papierfabrik jedoch schon als KZ genutzt worden, so kamen die ersten H\u00e4ftlinge hier Anfang M\u00e4rz 1933 an. Das Konzentrationslager Osthofen wurde von den Nationalsozialisten auch \u201aErziehungs- und Besserungsanstalt\u2018 genannt. Der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentierte man, dass die politischen Gegner*innen Unruhestifter*innen seien, Kriminelle, denen man die M\u00f6glichkeit zur Besserung geben m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nationalsozialisten verfolgten mit diesem Lager jedoch nur ein Ziel: politische Gegner*innen des Nationalsozialismus und Menschen, die nicht zur sogenannten \u201aVolksgemeinschaft\u2018 geh\u00f6ren sollten, abzuschrecken und mundtot zu machen. Dazu stand ihnen nicht nur das Hauptlager in Osthofen zur Verf\u00fcgung, sondern auch noch ein Lager II (Holzm\u00fchle), f\u00fcr den sogenannten \u201aversch\u00e4rften Arrest\u2018. An diesem Ort wurden die Osthofener H\u00e4ftlinge systematisch gefoltert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu anderen Konzentrationslagern, wie z. B. Dachau oder Buchenwald, gab es im KZ Osthofen keine Todesf\u00e4lle. Auch H\u00e4ftlingskleidung gab es im Osthofener KZ noch nicht. Die H\u00e4ftlinge trugen in ihrer Haftzeit, die im Durchschnitt zwei bis vier Wochen betrug, die Kleidung, die sie bei ihrer Verhaftung trugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Alltag der H\u00e4ftlinge im KZ Osthofen bestand meist aus vollkommen sinnlosen Arbeiten, wie z. B. N\u00e4gel gerade und krumm schlagen. Diese Arbeiten sollten vor allem der Schikane und der Dem\u00fctigung der H\u00e4ftlinge dienen. Wie es den H\u00e4ftlingen im Lager erging, hing sehr stark von der Willk\u00fcr der Wachen (SA- und SS-M\u00e4nner) ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das Lager im Sommer 1934 wieder geschlossen wurde, stand das Geb\u00e4ude zun\u00e4chst leer, ehe die Eheleute B\u00fchner 1936 das Gel\u00e4nde ersteigerten und hier eine M\u00f6belfabrik einrichteten. Diese Fabrik war bis 1976 in dem ehemaligen Konzentrationslager untergebracht. Erst danach kamen Diskussionen auf, ob das ehemalige KZ eine Gedenkst\u00e4tte werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1991 erwarb das Land Rheinland-Pfalz das Geb\u00e4ude und beauftragte die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Rheinland-Pfalz mit der Entwicklung einer Konzeption f\u00fcr eine Gedenkst\u00e4tte. Seit 2004 ist in dem Geb\u00e4ude eine Dauerausstellung zu sehen und Besucher*innen k\u00f6nnen an F\u00fchrungen \u00fcber das Gel\u00e4nde teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arenz-Morch, Angelika: Das Konzentrationslager Osthofen 1933\/34, in: Meyer, Hans-Georg &amp; Berkessel, Hans (Hrsg.): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Bd. 2: \u201eF\u00fcr die Au\u00dfenwelt seid ihr tot!\u201c, Mainz 2000, S. 32\u201351.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arenz-Morch, Angelika: Das KZ Osthofen 1933\/34 \u2013 Ein \u00dcberblick, in: Arenz-Morch, Angelika &amp; Heinz, Stefan (Hrsg.): Gewerkschafter im Konzentrationslager Osthofen 1933\/34. Biografisches Handbuch, Metropol, Berlin 2019 (Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung \u2013 Widerstand \u2013 Emigration, Bd. 8), S. 11\u201352.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Die Gedenkst\u00e4tte KZ Osthofen (Bl\u00e4tter zum Land Rheinland-Pfalz, Extra Ausgabe), Mainz 2019<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/\" data-type=\"page\" data-id=\"264\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als \u201afr\u00fche Konzentrationslager\u2018 bezeichnet man Lager, die bereits 1933, also unmittelbar nach der \u201aMacht\u00fcbernahme\u2018 Adolf Hitlers, im nationalsozialistischen Deutschen Reich provisorisch eingerichtet wurden. 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