{"id":1991,"date":"2021-04-29T13:13:12","date_gmt":"2021-04-29T11:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=1991"},"modified":"2021-04-29T13:13:12","modified_gmt":"2021-04-29T11:13:12","slug":"judenverfolgung","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/judenverfolgung\/","title":{"rendered":"Judenverfolgung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">Unter dem Begriff \u201aJudenverfolgung\u2018 versteht man die systematische Ausgrenzung und Verfolgung j\u00fcdischer Menschen, wie sie ab 1933 von den Nationalsozialisten betrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Anfang dieser Ausgrenzungs- und Verfolgungsma\u00dfnahmen markierte die \u201eVerordnung des Reichspr\u00e4sidenten zum Schutz von Volk und Staat\u201c (\u201aReichstagsbrandverordnung\u2018), mit der am 28. Februar 1933 die Grundrechte der Verfassung der Weimarer Republik au\u00dfer Kraft gesetzt wurden. Diese Verordnung bildete zudem die Grundlage f\u00fcr das Instrument der \u201aSchutzhaft\u2018, mit dem politische Gegner*innen, aber auch j\u00fcdische Menschen vollkommen willk\u00fcrlich, ohne rechtsstaatlichen Rahmen, inhaftiert werden konnten. In der Folgezeit kam es zu physischer Gewalt durch die \u201aGestapo\u2018, die SA und die SS. Durch das \u201aErm\u00e4chtigungsgesetz\u2018 vom 23. M\u00e4rz 1933 war die nationalsozialistische Regierung dazu bef\u00e4higt, ohne die Zustimmung des Parlamentes Gesetze und Verordnungen zu erlassen. Insgesamt wurden in den Jahren von 1933 bis 1945 mindestens 2.000 antisemitische Gesetze und Verordnungen erlassen. Zu nennen sind hier das \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c vom 7. April 1933, mit dem NS-kritische und j\u00fcdische Beamte aus dem Dienst entlassen wurden, oder das \u201eGesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre\u201c vom 15. September 1935, mit dem unter anderem Ehen zwischen \u201aarischen\u2018 und \u201anicht-arischen\u2018 Menschen verboten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das anf\u00e4ngliche Ziel der antisemitischen NS-Politik war zun\u00e4chst die Enteignung und Vertreibung der J\u00fcdinnen*Juden aus dem NS-Staatsgebiet. Der Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung nahm diese antisemitischen Vorg\u00e4nge auch als solche hin. Viele Menschen konnten sogar davon profitieren, da sie im Rahmen der sogenannten \u201aArisierung\u2018 Arbeitspl\u00e4tze, Unternehmen, Wohnungen, M\u00f6bel usw. erhielten, die J\u00fcdinnen*Juden weggenommen worden waren. Die \u201aN\u00fcrnberger Gesetze\u2018, die am 15. September 1935 verabschiedet wurden und j\u00fcdischen Menschen s\u00e4mtliche B\u00fcrgerrechte absprachen, sowie das Novemberpogrom\u00a01938 stellten weitere Schritte in der Verdr\u00e4ngung und Ausgrenzung der J\u00fcdinnen*Juden aus der Gesellschaft dar. Das NS-Regime tolerierte nicht nur physische Gewalt gegen\u00fcber der j\u00fcdischen Minderheit, sondern strebte diese auch aktiv an. Teil der Judenverfolgung war auch die ab 1939 durchgesetzte zwangsweise Umquartierung in sogenannte \u201aJudenh\u00e4user\u2018. Ab dem 1. September 1941 zwangen die Nationalsozialisten j\u00fcdische Menschen, sich mit einem gelben \u201aJudenstern\u2018 zu kennzeichnen. In diesem Jahr ver\u00e4nderte sich die NS-Politik gegen\u00fcber der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. Hatten die Nationalsozialisten bis 1941 noch die Vertreibung der j\u00fcdischen Menschen aus dem Deutschen Reich betrieben, verfolgten sie ab dem 23. Oktober 1941 das Ziel der Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums. Ab diesem Tag galt ein Ausreiseverbot; eine Flucht oder Emigration wurden so nahezu unm\u00f6glich. Fortan dienten die \u201aJudenh\u00e4user\u2018 den Nationalsozialisten dazu, die systematischen Deportationen j\u00fcdischer Menschen zu organisieren. Die erste Massendeportation von j\u00fcdischen Mainzer*innen fand am 25. M\u00e4rz 1942 statt. An diesem Tag wurden \u00fcber 1.000 hessische J\u00fcdinnen*Juden von Darmstadt in das Ghetto und Durchgangslager Piaski\u00a0bei Lublin (in Ostpolen) deportiert. Unter ihnen waren 467 Mainzer*innen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Benz, Wolfgang: Einleitung, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Vorurteil und Genozid. Ideologische Pr\u00e4missen des V\u00f6lkermords. Wien\/ K\u00f6ln\/ Weimar 2010, S. 7\u201314.<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcchert, Hedwig: Nationalsozialistischer Rassenwahn. Entrechtung, Verschleppung und Ermordung der Mainzer Juden, Sinti und geistig behinderten Menschen, in: Stadt Mainz (Hrsg.): Der Nationalsozialismus in Mainz 1933\u201345. Terror und Alltag (Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 36) Mainz 2008, S. 79\u201392.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00f6rner, Berwand: Der Holocaust \u2013 die \u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Vorurteil und Genozid. Ideologische Pr\u00e4missen des V\u00f6lkermords. Wien\/ K\u00f6ln\/ Weimar 2010, S. 87\u2013118.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Begriff \u201aJudenverfolgung\u2018 versteht man die systematische Ausgrenzung und Verfolgung j\u00fcdischer Menschen, wie sie ab 1933 von den Nationalsozialisten betrieben wurde.<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/judenverfolgung\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1991","glossary","type-glossary","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1992,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1991\/revisions\/1992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}