{"id":1861,"date":"2021-03-22T18:18:09","date_gmt":"2021-03-22T17:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=1861"},"modified":"2021-03-22T18:23:23","modified_gmt":"2021-03-22T17:23:23","slug":"konzentrationslager-auschwitz","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/konzentrationslager-auschwitz\/","title":{"rendered":"Konzentrationslager Auschwitz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">Im polnischen Auschwitz befand sich w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs ein von den Nationalsozialisten eingerichtetes Konzentrations- und Vernichtungslager. Der kleine polnische Ort O\u015bwi\u0119cim (deutsch: Auschwitz), befindet sich im S\u00fcden des heutigen Polen und liegt dort s\u00fcdlich von Katowice (deutsch: Kattowitz), und westlich von Krak\u00f3w (deutsch: Krakau). Zwischen 1940 und 1945 wurden im Vernichtungslager Auschwitz mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, wovon etwa eine Million J\u00fcdinnen*Juden waren. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten mehr als sechs Millionen J\u00fcdinnen*Juden aus ganz Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lager Auschwitz war ein Lagerkomplex, bestehend aus dem Konzentrationslager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau II und dem Konzentrationslager Monowitz. Zus\u00e4tzlich geh\u00f6rten noch weitere etwa 50, Au\u00dfenlager zu dem Lagerkomplex Auschwitz. Im Stammlager Auschwitz I waren vor allem sowjetische Kriegsgefangene und Frauen inhaftiert, in Auschwitz-Birkenau waren die Gaskammern und Krematorien sowie das Ende der Schienen f\u00fcr die ankommenden Deportationsz\u00fcge. Im Lager Monowitz mussten vor allem j\u00fcdische H\u00e4ftlinge ersch\u00f6pfende Zwangsarbeit auf dem Gel\u00e4nde der I. G. Farbenindustrie AG leisten. Das Lager Auschwitz bestand von Mai 1940 bis Januar 1945 im besetzten Polen und umfasste eine Fl\u00e4che von 40 Quadratkilometern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits nach der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad im Januar 1943 gab es in der NS-F\u00fchrungsspitze \u00dcberlegungen, wie das Lager beim Heranr\u00fccken der gegnerischen Truppen zu r\u00e4umen sei. Der SS-Chef Heinrich Himmler \u00e4nderte in den letzten Kriegsjahren oftmals seine Strategie. Entweder wollte er das Lager verteidigen oder er wollte es aufl\u00f6sen. Dabei spielte einerseits die Verschonung der Inhaftierten zugunsten einer gl\u00fccklicheren Verhandlungsposition gegen\u00fcber den Alliierten und andererseits der angebliche Schutz der Zivilist*innen vor den inhaftierten Personen abwechselnd eine mal mehr und mal weniger wichtige Rolle. Bereits im Sommer 1944 bis Januar 1945 wurden etwa 65.000 Inhaftierte Richtung Westen verbracht, um dort die deutsche R\u00fcstungsindustrie mit ihrer Arbeitskraft unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Ebenfalls bereits ab Juli 1944 wurde die R\u00e4umung von Auschwitz vorbereitet, da zu diesem Zeitpunkt die rote Armee bereits das Lager Majdanek n\u00f6rdlich von Kattowitz erreicht hatte. Trotz der R\u00e4umungspl\u00e4ne kamen im Sommer und Herbst 1944 noch j\u00fcdische Massendeportationsz\u00fcge in Auschwitz an. Mit der dennoch parallellaufenden R\u00e4umung des Lagers befanden sich am 17. Januar 1945 noch 42.000 Inhaftierte in den drei Hauptlagern Auschwitz und zus\u00e4tzlich 25.000 H\u00e4ftlinge in den Au\u00dfenlagern. Die einzige Bahnverbindung von und nach Auschwitz war lediglich eingleisig gebaut, sodass die 56.000 bis 58.000 Inhaftierten, die marschf\u00e4hig waren, nicht in Massentransporten aus Auschwitz nach Gleiwitz und Loslau, zwei etwa 50 und 60 Kilometer entfernte und westlich von Auschwitz gelegene Eisenbahnknotenpunkte, gebracht werden konnten. Daher mussten die H\u00e4ftlinge in einzelnen Gruppen von etwa 1.000 bis 2.500 Personen zu Fu\u00df diesen schlimmen, von der SS \u00fcberwachten und vorangetriebenen, sogenannten \u201aTodesmarsch\u2019 antreten. F\u00fcr diejenigen H\u00e4ftlinge, die zwischen dem 19. und dem 23. Januar 1945 Gleiwitz und Loslau lebend erreichten, waren die Strapazen ihrer Verlegung noch nicht vorbei. Einige von ihnen mussten direkt im Anschluss in das 200 Kilometer entfernte Lager Gro\u00df-Rosen marschieren und die anderen H\u00e4ftlinge mussten bei Minusgraden in offenen Eisenbahnwaggons ausharren und wurden in westlich gelegene Lager transportiert, so etwa Buchenwald, Dachau, Mittelbau-Dora oder auch Mauthausen. Sch\u00e4tzungen zufolge kamen zwischen 9.000 und 14.000 H\u00e4ftlinge bei diesen \u201aTodesm\u00e4rschen\u2019 aus Auschwitz ums Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nationalsozialisten vernichteten bereits vor 1945 viele Dokumente, um den Genozid an den J\u00fcdinnen*Juden weitestgehend zu vertuschen. Bereits im Herbst 1944 begann man mit der Zerst\u00f6rung der Krematorien in Auschwitz-Birkenau und das vierte und letzte Krematorium wurde in der Nacht auf den 26. Januar 1945 durch Sprengung zerst\u00f6rt. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit und die im Lager verbliebenen 7.500 H\u00e4ftlinge erhielten ihre Freiheit zur\u00fcck. Insgesamt starben auf den sogenannten \u201aTodesm\u00e4rschen\u2019 von den im Jahr 1945 verbliebenen 700.000 H\u00e4ftlingen circa 200.000 bis 350.000 Menschen. Da diese \u201aTodesm\u00e4rsche\u2019 auch durch Ortschaften gingen und viele Leichen in den Gr\u00e4ben am Wegesrand entlang der Marschrouten liegenblieben, kann dieses grausame letzte Verbrechen an der Menschlichkeit durch die Nationalsozialisten, eines von sehr vielen, der Bev\u00f6lkerung nicht verborgen geblieben sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der am 28. September 1891 in Neuwied geborene Otto Hirsch wurde nach Auschwitz deportiert. Seine Deportation erfolgte am 8. April 1943 und er wurde am 25. August desselben Jahres ermordet. Von den \u00fcber 240 Opfern des Nationalsozialismus, die in Mainz einen Stolperstein haben, wurden etwa 25 von ihnen genauso wie Otto Hirsch ins polnische Auschwitz deportiert. Doch auch schon 1942 wurden zahlreiche Menschen aus Rheinland-Pfalz und insbesondere den Regionen Mainz, Alzey, Bingen und aus Hessen nach dem Generalgouvernement Polen deportiert. Anhand handschriftlicher Notizen Michel Oppenheims wurden demnach zwischen dem 19. und dem 23. September 1942 zun\u00e4chst Menschen aus Mainz in die Liebig-Schule Darmstadt verbracht, am 20. September Menschen aus Bingen und den umliegenden Landgemeinden und schlie\u00dflich am 24. September Menschen aus Alzey und Worms mit den dazugeh\u00f6rigen Landgemeinden. Insgesamt wurden am 29. September 1942 883 J\u00fcdinnen*Juden aus dem hessischen Darmstadt mit zus\u00e4tzlichen 41 Menschen aus Baden in das besetzte Polen deportiert. Wohin genau dieser Deportationszug ging, l\u00e4sst sich nicht mehr feststellen, vermerkt ist hier als Deportationsziel lediglich das Generalgouvernement. Da es neben dem Lager Auschwitz noch viele weitere Lager im besetzten Polen gab, l\u00e4sst sich nicht mit Sicherheit sagen, in welches oder in welche Lager diese Deportation aus Darmstadt ging. Aus Mainz selbst wurden 178 Personen, sowie eine Person aus dem heute zu Mainz geh\u00f6renden Hechtsheim, folglich 179 Personen, von Darmstadt aus gen Osten deportiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcchert, Hedwig: Nationalsozialistischer Rassenwahn. Entrechtung, Verschleppung und Ermordung der Mainzer Juden, Sinti und geistig behinderten Menschen, in: Stadt Mainz (Hrsg.): Der Nationalsozialismus in Mainz 1933\u201345. Terror und Alltag (Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 36), Mainz 2008, S. 79\u201392.<\/p>\n\n\n\n<p>o. V.: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. In: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Bearbeitungsstand: 26. Januar 2015. &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/199551\/70-jahre-befreiung-auschwitz\">https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/199551\/70-jahre-befreiung-auschwitz<\/a>&gt; [aufgerufen am 03.02.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>o. V.: Hirsch, Otto, in: Das Bundesarchiv Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933\u20131945. Bearbeitungsstand: 2021. &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.bundesarchiv.de\/gedenkbuch\/de885120\">https:\/\/www.bundesarchiv.de\/gedenkbuch\/de885120<\/a>&gt;[aufgerufen am 03.02.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>o. V.: Karlsruhe \u2013 Mainz \u2013 Darmstadt noch unbekannt. In: Statistik und Deportation der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung aus dem Deutschen Reich. Bearbeitungsstand: 2020. URL: <a href=\"https:\/\/www.statistik-des-holocaust.de\/list_ger_hhn_420930.html\">https:\/\/www.statistik-des-holocaust.de\/list_ger_hhn_420930.html<\/a> [aufgerufen am 03.02.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>o. V.: Vor 75 Jahren. Todesmarsch aus Auschwitz. In: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Bearbeitungsstand: 16. Januar 2002. URL: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/303537\/todesmarsch-aus-auschwitz\">https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/303537\/todesmarsch-aus-auschwitz<\/a> [aufgerufen am 03.02.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>Pa\u00e1l, G\u00e1bor: Holocaust. 6 Millionen ermordete Juden \u2013 Woher stammt diese Zahl? In: SWR Wissen. Bearbeitungsstand: 27. Januar 2020. URL: <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/wissen\/1000-antworten\/6-millionen-holocaust-opfer-woher-stammt-diese-zahl-100.html\">https:\/\/www.swr.de\/wissen\/1000-antworten\/6-millionen-holocaust-opfer-woher-stammt-diese-zahl-100.html<\/a> [aufgerufen am 03.02.2021].<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im polnischen Auschwitz befand sich w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs ein von den Nationalsozialisten eingerichtetes Konzentrations- und Vernichtungslager. Der kleine polnische Ort O\u015bwi\u0119cim (deutsch: Auschwitz), befindet sich im S\u00fcden des heutigen Polen und liegt dort s\u00fcdlich von Katowice (deutsch: Kattowitz), und westlich von Krak\u00f3w (deutsch: Krakau). Zwischen 1940 und 1945 wurden im Vernichtungslager Auschwitz mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, wovon etwa eine Million J\u00fcdinnen*Juden waren. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten mehr als sechs Millionen J\u00fcdinnen*Juden aus ganz Europa.<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/konzentrationslager-auschwitz\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1861","glossary","type-glossary","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1869,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1861\/revisions\/1869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}