{"id":1855,"date":"2021-03-22T18:13:43","date_gmt":"2021-03-22T17:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/?post_type=glossary&#038;p=1855"},"modified":"2021-03-22T18:23:39","modified_gmt":"2021-03-22T17:23:39","slug":"heinrich-class","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/heinrich-class\/","title":{"rendered":"Heinrich Cla\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">Heinrich Cla\u00df geh\u00f6rte 1894 zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des v\u00f6lkisch-nationalistischen \u201eDeutschbundes\u201c und war von 1908 bis 1939 Vorsitzender des radikal nationalistischen und v\u00f6lkisch-rassistischen \u201eAlldeutschen Verbandes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Cla\u00df wurde am 29. Februar 1868 in Alzey geboren. Nach dem Jurastudium, Referendariat und Zweitem Staatsexamen lie\u00df er sich 1895 als Rechtsanwalt und Notar in Mainz nieder. 1897 wurde Cla\u00df Mitglied im \u201eAlldeutschen Verband\u201c, dessen stellvertretender Vorsitzender er 1904 wurde, ehe er 1908 den Vorsitz des Verbandes \u00fcbernahm. In dieser Funktion forderte er eine starke territoriale Expansion des Deutschen Reiches durch eine Kriegsf\u00fchrung gegen Frankreich und England.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus war Cla\u00df auch schriftstellerisch t\u00e4tig: Unter dem Pseudonym Einhart ver\u00f6ffentlichte er 1909 seine \u201eDeutsche Geschichte\u201c, die bis in die NS-Zeit hinein mit insgesamt 19 Auflagen eine weite Verbreitung erlebte. Sein politisches Programm legte er, diesmal unter dem Pseudonym Daniel Fryman 1912 im Pamphlet \u201eWenn ich der Kaiser w\u00e4r\u2018. Politische Wahrheiten und Notwendigkeiten\u201c dar. Darin enthalten: rassistischer Antisemitismus, v\u00f6lkisch und darwinistisch gepr\u00e4gte Lebensraumvorstellungen, Abschaffung des allgemeinen Reichstagswahlrecht \u201af\u00fcr alle\u2019. Der ideale N\u00e4hrboden f\u00fcr den Nationalsozialismus existierte so bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Cla\u00df\u2018 Pamphlet wurde bis 1914 in insgesamt f\u00fcnf Auflagen zu 25.000 St\u00fcck verkauft und \u00f6ffentlich breit diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs floh Cla\u00df aus dem franz\u00f6sisch besetzten Mainz nach W\u00fcrzburg und zog schlie\u00dflich nach Berlin. Im Februar 1919 verfasste er die \u201eBamberger Erkl\u00e4rung\u201c, in der Rassismus und Antisemitismus offiziell zum weltanschaulichen Leitbild des \u201eAlldeutschen Verbandes\u201c wurden. Politisches Ziel war die Abschaffung der Weimarer Republik und die Errichtung einer \u201anationalen Diktatur\u2018. Zwischen 1920 und 1922 fanden einige Treffen zwischen Heinrich Cla\u00df und Adolf Hitler statt. Doch trotz der anf\u00e4nglichen Unterst\u00fctzung Hitlers durch Cla\u00df, lehnten die putschbereiten Kr\u00e4fte um Adolf Hitler, Cla\u00df\u2018 alldeutschen F\u00fchrungsanspruch ab. Vom Hitler-Putsch 1923 distanzierte sich Cla\u00df, da er bef\u00fcrchtete wegen Hochverrats angeklagt zu werden. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er jedoch verd\u00e4chtigt, einen Mordanschlag auf den Chef der Reichswehr, Hans von Seeckt, geplant zu haben. Das anschlie\u00dfende Gerichtverfahren wurde jedoch eingestellt. 1926 wurde eine Voruntersuchung wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Hochverrats gegen Heinrich Cla\u00df und weitere Alldeutsche er\u00f6ffnet. Diese wurde jedoch 1927 mangels Beweisen wieder geschlossen; es kam zu keiner Hauptuntersuchung. 1931 beteiligte sich Heinrich Cla\u00df an der Bildung der nationalistischen \u201eHarzburger Front\u201c, in der er allerdings keine tragende Rolle mehr \u00fcbernahm. Zwischen 1933 und 1945 wurde Cla\u00df Mitglied im Reichstag; soweit bekannt trat er nicht in die NSDAP ein, war im Reichstag aber als Gast der NSDAP-Fraktion t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p>1939 wurde der \u201eAlldeutsche Verband\u201c, der bis dahin von der NS-Bewegung geduldet worden war, aufgel\u00f6st. Anschlie\u00dfend trat Heinrich Cla\u00df nicht mehr politisch in Erscheinung. \u00dcber seinen Werdegang nach 1945 ist nichts bekannt. Am 16. April 1953 starb er in Jena, wo er bei seiner Tochter gelebt hatte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erbar, Ralph: Dr. Heinrich Cla\u00df (1868\u20131953) \u2013 ein Wegbereiter des Nationalsozialismus?, in: Meyer, Hans-Georg\/ Berkessel, Hans (Hrsg): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Bd. 1 \u201eEine nationalsozialistische Revolution ist eine gr\u00fcndliche Angelegenheit.\u201c,. Mainz 2000, S. 41\u201349.<\/p>\n\n\n\n<p>Graefe, Thomas: Heinrich Cla\u00df, in: Regionalgeschichte-Bibliothek, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.regionalgeschichte.net\/bibliothek\/biographien\/class-heinrich.html\">https:\/\/www.regionalgeschichte.net\/bibliothek\/biographien\/class-heinrich.html<\/a>&gt; [aufgerufen am 15.03.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>Leicht, Johannes: Heinrich Cla\u00df 1868\u20131953, in: LeMo-Biografien, Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/heinrich-class\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/heinrich-class<\/a>> [aufgerufen am 15.03.2021].<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich Cla\u00df geh\u00f6rte 1894 zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des v\u00f6lkisch-nationalistischen \u201eDeutschbundes\u201c und war von 1908 bis 1939 Vorsitzender des radikal nationalistischen und v\u00f6lkisch-rassistischen \u201eAlldeutschen Verbandes\u201c.<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/stolpersteine-in-mainz\/glossar\/heinrich-class\/\"><span>mehr Infos<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1855","glossary","type-glossary","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1870,"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/1855\/revisions\/1870"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stolpersteine-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}