Die Besetzung Frankreichs und das Vichy-Regime

Im Juni 1940 wurde der Norden Frankreichs von der deutschen Wehrmacht besetzt und die französische Regierung flüchtete sich in den unbesetzten Süden nach Vichy. Es kam zu einer Kollaboration des Vichy-Regimes mit den Nationalsozialist*innen. So wurden beispielsweise nicht-französische Jüdinnen*Juden an das Deutsche Reich ausgeliefert. Ende des Jahres 1942 wurde auch der Süden Frankreichs besetzt. Mehr Infos [farblich abheben]

Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Paris am 14. Juni 1940 brachte die französische Regierung dazu, Hitler um einen Waffenstillstand zu ersuchen. Dieser Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich wurde am 22. Juni 1940 in demselben Eisenbahnwaggon bei Compiègne unterzeichnet, in dem auch 1918 die deutsche Kriegsniederlage besiegelt wurde. Daraufhin beschloss die französische Nationalversammlung in Folge einer vorausgegangenen Abstimmung am 10. Juli 1940 das Ende der Dritten Republik und übergab sämtliche Regierungsvollmachten an Philippe Pétain. Diese ‚Revolution von oben‘ errichtete das Vichy-Regime, das in den folgenden Jahren durch eine „konservativ-autoritäre Politik“ (Prauser, 2011, S. 97) auffiel. Ohne überhaupt Befehle und Handlungsanordnungen der deutschen Wehrmacht erhalten zu haben, schränkte das Vichy-Regime die Rechte und Freiheiten von Jüdinnen*Juden, Kommunist*innen und der Opposition stark ein. Des Weiteren erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit dem NS-Regime in der Frage der Deportation nicht-französischer Jüdinnen*Juden. Auch die Bekämpfung diverser Widerstandsbewegungen in Frankreich durch das Vichy-Regime stellte eine ausgedehnte Politik der Kollaboration dar.

Die Deportation von Jüdinnen*Juden aus Frankreich erfolgte bis zum November 1942 nur aus dem nördlichen, besetzten Teil Frankreichs. Ende des Jahres 1942 wurden nach der Besetzung des südlichen Teil Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht auch von dort aus Jüdinnen*Juden deportiert; insgesamt 73.000 Jüdinnen*Juden, 250.000 konnten sich der Deportation entziehen.

Literaturhinweise:

Brakel, Alexander: Der Holocaust. Judenverfolgung und Völkermord, Berlin 22012 (Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, Bd. 9).

Liehr, Günter: Frankreich. Eine Nachbarschaftskunde, Berlin 2007.

Prauser, Steffen: Frankreich. Résistance gegen Kollaboration und Besatzungsmacht, in: Ueberschär, Gerd R. (Hrsg.): Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39 bis 1945, Berlin 2011, S. 97–110.

Kontext (vgl. Erinnerungsblätter Wiesbaden, blaue Spalte)

Kampf gegen politische Gegner*innen – das Instrument der ‚Schutzhaft

Die am 28. Februar 1933 erlassene „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, mit der sämtliche bis dahin existierende Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden, war Grundlage und Ausgangspunkt sämtlicher Verfolgungsmaßnahmen gegen politische Gegner*innen und diejenigen Menschen, die nach der NS-Ideologie nicht zur ‚deutschen Volksgemeinschaft‘ gehören sollten. Im Zuge dieser Verordnung etablierte das NS-Regime die zynisch als ‚Schutzhaft‘ bezeichnete, willkürliche und ohne jegliche juristische Grundlage Inhaftierung von Gegner*innen. Zur Stabilisierung ihrer neu errichteten Diktatur verfolgten die Nationalsozialisten zunächst die ‚Ausschaltung‘ politischer Gegner*innen. Kritik gegen die NS-Bewegung sollte in der Öffentlichkeit keinen Raum mehr finden. Somit wurde die ‚Schutzhaft‘ zum Synonym für den sich anschließenden NS-Terror. So wurden bereits seit März 1933 Zehntausende Gegner*innen der NSDAP – vor allem Mitglieder der SPD, der KPD oder von Gewerkschaften – widerrechtlich verhaftet, inhaftiert und misshandelt. In Rheinland-Pfalz befand sich in Osthofen in der Nähe von Worms ein ‚frühes Konzentrationslager‘, das zur Durchführung der ‚Schutzhaft‘ diente. Das im März 1933 eingerichtete KZ Osthofen bestand bis Juli 1934. In dieser Zeit waren dort schätzungsweise 3.000 ‚Schutzhäftling‘ inhaftiert, von denen heute 1.860 namentlich bekannt sind.

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